Menschlichkeit ist nicht verhandelbar (mit Nahost-Reporterin Sophia Maier) – Die politische Folge #73

Shownotes

Worte können die Welt verändern. Wir leben in Zeiten, in denen die mächtigsten Staatsoberhäupter Krisen eskalieren lassen und Kriege beginnen. Was können wir da schon dagegen ausrichten? Eine ganze Menge, daran glaube ich aus tiefstem Herzen. Ein neuer Zeitgeist, eine Gegenwehr beginnt immer mit einem Gespräch, dem Austausch zwischen Menschen. Wir bewirken etwas, indem wir zuhören, verstehen wollen und daraus eine eigene Haltung entwickeln. Und uns manchmal auch weigern, uns einfach nur rauszuhalten. In dieser Folge spreche ich mit der Nahost-Reporterin Sophia Maier, die dorthin reist, wo Menschen unter schwierigen, oft schrecklichen Bedingungen leben. Sie war in Syrien, in Afghanistan, im Irak, im Libanon gerade, sie berichtet von der Grenze zu Gaza und aus dem Westjordanland. Durch mutige Journalisten wie sie bekommen wir Einblicke, die sonst im Verborgenen bleiben. Sie berichtet von den unmenschlichen Zuständen dort und, ja, auch vom Versagen des Westens. Sophia ist studierte Demokratiewissenschaftlerin, ihre Reportagen und Dokumentationen für u.a. Stern TV, für RTL sind preisgekrönt. Und vor allem zeugen sie immer von Menschlichkeit. Das ist ihr Antrieb, die unverhandelbare Menschlichkeit - und deswegen mache auch ich diese Folge. Ich freue mich, wenn Ihr mit offenen Ohren und offenem Herzen zuhört. Kommentiert wie immer gerne hier, schreibt mir per Mail an hey@mwiemarlene.de oder auf unseren Podcast-Kanal auf Instagram.

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Transkript anzeigen

00:00:01: Vier Menschen haben vor ein paar Wochen den Mond umrundet, sind so weit von der Erde entfernt gewesen auf ihrem Raumschiff wie noch kein Mensch zuvor.

00:00:09: Es ist eigentlich so eine wahnsinnig schöne Geschichte!

00:00:11: Mir hat es unheimlich gut getan.

00:00:12: ich weiß nicht wie's euch geht aber ich habe wirklich so gerne gehört was diese Astronauten und die drei Männer, eine Frau waren dort er so erzählt haben.

00:00:21: ihre Botschaft war eigentlich eine wirklich wunderschöne.

00:00:23: Die haben schon während dieser Reise Auf die andere Seite des Mondes und auch danach berichtet, dass dieser Blick auf die Erde für sie noch mal alles verändert hat.

00:00:34: Dieser Anblick, dieser wunderschönen Erde, auf der wir leben haben Sie gesagt es fühlte sich an als wären wir ja auch hier auf der Erde wie auf einem Raumschiff, auf einem Spaceship.

00:00:46: Die haben da oben nur funktioniert, weil sie extrem als Team zusammengearbeitet haben.

00:00:51: Und das war die Botschaft des einen Astronauten der gesagt hat eigentlich müssten wir auf der Erde ganz genau so Hand in Hand wie ein Team zusammenarbeiten.

00:01:00: Das Gegenteil muss man sagen ist im Moment gerade der Fall.

00:01:03: Wir erleben gerade sehr sehr schwierige Zeiten als Menschen Weil wir Kriege überall haben bei Kriegsherde neu kreiert werden und so viele Menschen um ihr Leben kämpfen, um ihr leben bangen und uns alle das mitnimmt.

00:01:20: Irgendwie habe ich manchmal das Gefühl wir sind machtgierigen Menschen Männern ausgeliefert die diese Kriege beginnen ohne tatsächlich eine Vorstellung von der Lösung zu haben.

00:01:31: da fallen Worte die sind so fürchterlich Und gleichzeitig schreckliche Taten.

00:01:37: und auf der anderen Seite vermisst man in der Politik manchmal dass darauf mit konkreter Sprache geantwortet wird.

00:01:45: So, jetzt ist in meinem Podcast hier.

00:01:47: wie ihr wisst geht es ja eigentlich um Menschen und ihre Geschichten und das was das Leben so breit hält für uns und weniger um Politik.

00:01:55: aber im Grunde genommen ist Politik ja auch nichts anderes als dass was Menschen betrifft und das zu organisieren und zu verbessern und deswegen ist heute die Folge ein bisschen politischer als sonst.

00:02:06: aber es geht um Menschen.

00:02:08: Sophia Meyer ist bei uns.

00:02:10: Ich bin ganz glücklich darüber, dass wir dieses Gespräch jetzt führen konnten.

00:02:16: Sie ist überall dort hingefahren und reist dorthin wo Menschen unter sehr schwierigen Bedingungen leben.

00:02:22: Sie war in Syrien, sie war im Irak, im Libanon gerade, in Gaza-Westjordanland und berichtet von Krisen und von Kriegszuständen.

00:02:31: Und kann das wirklich ein sehr klarer Sprache?

00:02:35: Sophia Meyer ist studierte Demokratiewissenschaftlerin, Journalistin.

00:02:38: Ihre Reportagen und Dokumentationen für SternTV, RTL sind preisgekrönt und vor allem zeugen sie immer von Menschlichkeit.

00:02:48: Das ist ihr Antrieb – das werdet ihr auch gleich erleben!

00:02:52: Sie hat in diesem Jahr einen Spiegelbesteller geschrieben, Herz aus Stacheldraht über das Leid der Menschen in diesen Regionen während der Krieg und Krisen sind aber eben auch über die Doppelmoral des Westens.

00:03:03: Ihre Begegnungen mit den Menschen stehen immer im Vordergrund und ganz besonders mit den Frauen.

00:03:08: Und das hat mich besonders getatscht, als ich sie zum allerersten mal wahrgenommen habe.

00:03:12: Deswegen habe ich irgendwann Kontakt zu ihr aufgenommen und dieses erste Kennenlernen war sehr schön und geprägt von Empathie.

00:03:20: Dann haben wir uns verabredet, uns irgendwann zu treffen.

00:03:23: Genau dieses Gespräch haben wir heute geführt – es ist die heutige Podcast-Folge!

00:03:26: Ich freue mich sehr!

00:03:28: dass ihr da seid und das ihr Lust auf diesen Podcast grundsätzlich habt.

00:03:31: Und umso mehr, wenn ihr heute dran bleibt – es lohnt sich!

00:03:36: Willkommen im Podcast MW.

00:03:38: Marlene.

00:03:39: Wie gelingt das Leben?

00:03:40: Diese Frage stelle ich mir oft.

00:03:42: Mein Name ist Marlene Lufen und gemeinsam mit euch suche Ich

00:03:46: nach Antworten.

00:03:47: Meine Liebe jetzt wisst du hier Ja Es ist ganz, ganz wunderschön.

00:03:53: Ich habe mir das sehr gewünscht.

00:03:54: Wir haben vor Monaten schon einmal ein langes Telefonat gehabt und dieses Telefonate war sehr schön, finde ich.

00:04:02: Da haben wir uns ausgetauscht.

00:04:04: Ich habe Kontakt zu dir aufgenommen weil ich dich bei Lanz gesehen habe und gedacht habe wow da ist eine Frau.

00:04:11: die ist da wo es wehtut.

00:04:13: hier ist in diesen Gebieten.

00:04:15: daher warst du kurz vor der an der Grenze zu Gaza und hast davon berichtet und hast aus deinen Erlebnissen berichtet aber eben natürlich kennst auch die Fakten als jahrelange Kriegs- und Krisenreporterinnen.

00:04:27: Und ich hatte großen Respekt davor, mit welcher Souveränität du dich hingesetzt hast und deinen Standpunkt vertreten hast.

00:04:33: Und dann haben wir ganz lange telefoniert... ...und ich freue mich ganz doll und fühle mich geehrt, dass du heute hier bist!

00:04:38: Ich freue mich auch von Herzen.

00:04:40: Dieses Telefonat mit dir war damals für mich sehr besonders.

00:04:43: Wir kannten uns nicht und das hat sich trotzdem sehr nah angefühlt.

00:04:47: umso schöner, dass ich heute hier bin.

00:04:48: Ja, ich habe mir gar nicht genau überlegt wo ich anfange und wie ich anfage.

00:04:52: Wir haben eben schon so ein bisschen darüber gesprochen wie das ist wenn man sich öffentlich zu etwas äußert und auch einen Standpunkt einnimmt dass man natürlich dann immer damit rechnen muss dass Menschen das kommentieren.

00:05:07: Und das ist nicht immer sachlich kommentiert sondern manchmal ist es auch einfach nur verachtend.

00:05:12: Es ist oft mal sehr oft falsch Da wären Kontexte geschaffen, die nicht stimmen.

00:05:19: Ich gebe dem für mich nicht so viel Raum und vertraue darauf, dass ich weiß warum ich das

00:05:26: mache.".

00:05:34: immer mal wieder am Kämpfen, ich glaube auch je nach Tagesform oder je nach Thema.

00:05:39: Früher konnte ich das sehr schlecht aushalten und habe mir gegen Wehrhetze – das kann ja in vielerlei Form auf einen Einprasseln sehr zu Herzen genommen.

00:05:50: Ich war immer in meiner Arbeit, ich würde sagen, auf der Seite der Mehrheit.

00:05:56: Es gab immer Kritik, aber ich habe mich eigentlich immer komfortabel einrichten können.

00:06:00: Das hat sich dann geändert beim Thema Naos.

00:06:03: da hab' ich auf einmal erlebt dass Menschen mich stigmatisieren das sie mich känzeln wollen Dass es Kritik gibt die sehr harsch und sehr hart ist.

00:06:13: Und das war für mich schon ein sehr wichtiger Prozess weil Ich mir da die Frage stellen musste wer will ich in all dem sein?

00:06:19: was sind meine Leitlinien Und wie möchte ich berichten?

00:06:24: Wie möchte ich Journalistin sein und was für ein Mensch möchte ich ehrlicherweise auch sein.

00:06:28: Und habe dann für mich entschieden, der einzige Maßstab kann sein mir selbst treu zu bleiben meinem Wertesystem meinen Überzeugungen meiner Definition von Journalismus.

00:06:42: Und seitdem ich das so für mich entschieden habe ist es viel viel besser.

00:06:46: So kann ich heutzutage auch auf mich vertrauen.

00:06:48: Es gab so ein paar Wendepunkte in meinem Leben, wo ich das Gefühl hatte wenn ich mich dazu jetzt nicht äußere dann werde ich das bereuen und das war nicht immer einfach und ich versuche mich auch immer zu überprüfen ist dass was ich wirklich anständig was korrekt ist wo die Dinge so äußeren wie sie meines Erachtens geäußert werden müssen.

00:07:10: Aber ich würde trotzdem erst mal damit anfangen wollen, zu verstehen wie deine Expertise sich entwickelt hat für diese Region.

00:07:19: Du warst in Syrien?

00:07:20: Du war im Irak?

00:07:22: Du wars an der Grenze zu Gaza in den schlimmsten Zeiten?

00:07:26: Du was im Libanon und hast lange Zeit auch im Libananen Zeit verbracht!

00:07:30: Wie kam

00:07:31: das?!

00:07:32: Eine große Frage.

00:07:33: Ich versuche es kurz zu fassen, aber es war würde ich auf jeden Fall sagen ein sehr natürlicher Weg.

00:07:38: also ich bin nicht eines morgens aufgewacht und gesagt ich muss da jetzt hin oder ich will dahin?

00:07:43: Ich habe damals mein Volontariat gemacht also meine journalistische Ausbildung abgebrochen.

00:07:50: Das war zu der Zeit, als sehr viele geflüchtete Menschen nach Europa und nach Deutschland kamen habe die abgebrochten weil ich die Berichterstattung schon damals wie sage ich es am diplomatischsten vielleicht zur Einzeitig fand und verstehen wollte was ist da vor Ort eigentlich los?

00:08:05: Und bin dann auf eigene Faust.

00:08:07: also ich hab das Volontariat abgebrocht bin in die griechischen Geflüchtetenlager und bin dann in einem zweiten Schritt und dass ehrlicherweise auch anfangs eher auf eigene Faust in diese Regionen gereist.

00:08:20: Ich bin zum Beispiel im Sommerferien, in den Irak und im Libanon.

00:08:27: Warum?

00:08:28: Weil ich verstehen wollte wie ist die Situation vor Ort, warum fliehen die Menschen?

00:08:36: Ja, wahrscheinlich mein Privileg auch nutzen wollte und besser verstehen zu dürfen.

00:08:40: Also es ist nicht nur so dass man dahin geht für die Sache, für die Menschen.

00:08:46: Es gibt da auch immer... Und das muss man auch ehrlich sagen einen egoistischen Anteil oder einen ich bezogenen, der sagt hey Ich will das jetzt aber sehen und ich will das verstehen!

00:08:56: Und so ging es los genau und dann ging es immer weiter.

00:09:00: Ich glaube, das ist der Antrieb.

00:09:02: Was ist auch mein Antrieb gewesen in der Vergangenheit?

00:09:04: Wenn ich irgendwie auch mal Reportagen gemacht habe zu so ein bisschen brenzlichen Themen... Na klar!

00:09:09: Ich war neugierig.

00:09:10: Also wenn man nicht neugirig ist macht man diesen Beruf nicht.

00:09:13: Ich wollte es selber verstehen.

00:09:15: und was wollte ich damals als diese Reportage gemacht haben zum Thema sexuelle Gewalt gegen Frauen vor Mituwades.

00:09:21: Ich hatte einen Post gemacht und dann kriegte ich so viele Geschichten.

00:09:25: Ich hab gedacht, ich möchte das sichtbar machen und nicht ich möchte mit denen sprechen.

00:09:28: Aber diese Neugier ist es natürlich, die einen antreibt.

00:09:30: Die hattest du auch und dann hast du Regionen kennengelernt, Kulturen kennengelernen und Menschen kennengelaern, die du niemals so kennen gelernt hättest wenn du einfach aus Deutschland berichtet hätt.

00:09:39: Was kannst du zum Beispiel über den Libanon sagen?

00:09:41: Weil ich weiß dass du da eine große Liebe für die Leute dort hast!

00:09:44: Also der Libanonn ist für mich das wundervollste Land auf dieser Erde.

00:09:48: Ich glaube viele Menschen verbinden mit Libanonen vor allem Krieg und Armut.

00:09:54: Ich möchte den Blick erweitern.

00:09:56: Im Libanon kannst du an einem Tag am Strand liegen und in die Berge fahren zum Skifahren.

00:10:02: Und das kannst du beides an einem tag machen, es gibt dort Skigebiete, es liegt am Meer, es hat wundervolles Essen und die Menschen sind sehr, sehr herzlich und vor allem unfassbar resilient also haben eine große Widerstandskraft.

00:10:18: der Libanone hat so viel erleben müssen.

00:10:21: Ich bin das erste Mal, zweitausend achtzehn dorthin alleine und habe dann Ende zweitausend neunzehn entschieden dort zu leben.

00:10:27: Und bin dort hingezogen.

00:10:29: Und allein was das Land seitdem erlebt hat manch eine erinnert sich bestimmt noch an diese unfassbaren Bilder von der Explosion im Hafen.

00:10:35: Erinnerst du dich

00:10:36: fürchterlich?

00:10:37: Genau da war kurz der große Blick auf das Land.

00:10:40: Dann kam natürlich Corona.

00:10:42: es gab kurz davor eine Revolution mit Protesten gegen die Regierung Dann die Kriege nach dem siebten Oktober, die wieder auflammen im Land.

00:10:51: Also dieses Land und die Menschen müssen durch so vieles durch ... Und ich erlebe bis heute trotzdem leicht verschüttet aber ich erleben es diese Hoffnung und diese Widerstandskraft und die Hoffnung dass es irgendwann wieder gut wird eine meiner besten Freundin dort jetzt wieder fliehen musste und wieder zu Hause verlassen hat.

00:11:13: Die sagt immer Alhamdulillah Im Sinne von alles wird gut, wir glauben daran.

00:11:17: Wir glauben dass Gott es richten wird und das ist glaube ich auch was Wichtiges oft in der Region, dass der Glaube zu Gott die Menschen über Wasser hält.

00:11:28: In diesen Ländern im Libanon zum Beispiel auch?

00:11:30: Es ist ja ganz oft so, dass die Regierung selber... Korrupt überfordert nicht demokratisch sind.

00:11:36: Das war auch bei dieser Explosion ja so, so erinnere ich mich jetzt das man diesen Part im Hafen hätte schützen müssen wissen müssen dass da riesenexplosive Dinge gelagert sind und man hat es einfach nicht gemacht weil man sich nicht drum gekümmert hat.

00:11:49: und dann waren die Menschen die dieses ausbaden mussten.

00:11:52: deswegen wird dann so schnell ein Urteil gefällt ihr ja der selber Schuld?

00:11:54: habt ihr so eine Regierung gewählt?

00:11:56: deswegen ist es umso wichtiger dass man guckt auf die Leute die da leben.

00:12:00: wenn du da bist wie verständigst du dich?

00:12:02: Also Englisch natürlich, es wird auch viel französisch gesprochen.

00:12:05: Ich spreche kein Französisch und Arabisch also ist mein arabisches Ausbau fähig würde ich sagen aber für einfache Konversationen reicht das.

00:12:14: Ich kann auch gut lesen und schreiben und nehme auch bis heute Unterricht und versuche da Stück für Stück besser zu werden.

00:12:21: Sag mir mal so eine Begegnung!

00:12:22: Ich weiß dass du überall auch Frauen treffst die ja übrigens in Gesellschaften immer eine wahnsinnig große Rolle spielen damit irgendwas noch funktioniert.

00:12:31: Also manchmal hab ich so das Gefühl, auch gerade in diesen Zeiten nazistischem... Ich bin überhaupt kein Männerhasser.

00:12:36: Ja um Gottes wenn überhaupt nicht!

00:12:37: Liebe sie!

00:12:39: Aber

00:12:39: wir sind grade in einer Situation wo machtgierige Männer mit schlechtem Charakter die Welt zu einem kriegerischen Ort machen und aus Beuten durch ihre Aktivitäten und die Frauen müssen ganz oft das ausbaden, indem sie Familienzusammenheiten, Kinder ernähren selber alle Bedürfnisse hinten anstellen um nur irgendwas für ihre Kinder zu leisten.

00:13:05: Und das natürlich neben den vielen Soldaten, die dann auch wie auch versuchen wieder Frieden herzustellen.

00:13:10: was waren so Begegnungen, die du in Erinnerung hast?

00:13:12: Als erstes, als du es gerade gesagt hast, kam mir auf jeden Fall die Frauen in Afghanistan.

00:13:17: In den Kopf und ins Herz.

00:13:20: Ich bin damals direkt nach der Taliban Machtübernahme dahin gereist auch mit dem Ziel Frauen zu treffen Und das gab eine und das meinte ich auch folgend mit dem ich bin nicht die mutige ihr seid da draußen Die Mutigen die frauenrechtlerin ist aber auch Mutter war ne Hilfsunktion gegründet hatte Ich glaube, als Juristin gearbeitet hat also ein Multitalent, unfassbar starke Frau und die sich schon vor der Taliban Machtübernahme kritisch geäußert hat.

00:13:49: öffentlich im Fernsehen auf Social Media und die Taliban kritisiert hat, die am Ende auch damals bei den Protesten in erster Reihe lief mit ihrem Gesicht.

00:13:57: Und schrie lang lebe Afghanistan bei den Protesten gegen die Taliban und die dann mit dem Tod bedroht war.

00:14:05: Und ich habe sie in ihrem Versteck damals getroffen uns jetzt zu mir gesagt Ich weiß dass ich dem Tod in die Augen sehe aber ich werde nicht aufhören So, ich bin das meinem Land schuldig.

00:14:15: Ich bin es unsere Gesellschaft schuldigt und den Frauen schuldige.

00:14:18: Ich werde weitermachen auch wenn ich im schlimmsten Fall sterben

00:14:22: werde.".

00:14:23: Und da sitze ich dann denke mir okay, also das kann man sich selber nicht vorstellen.

00:14:28: Das kann man sie sogar nicht mal vorstellen wie man dort ist.

00:14:30: Verstehst du was?

00:14:32: Wo ich da bin und weiß was das bedeutet.

00:14:35: Es ist für mich so ein unvorstellbarer Mut und den hätte ich niemals.

00:14:41: Ich glaube schon, dass du eine unglaublich mutige Frau bist, die ja auch Situationen schon erlebt hat.

00:14:46: Die für dich lebensbedrohlich waren.

00:14:47: können wir gleich noch sprechen.

00:14:49: aber trotzdem so wie du es beschreibst und vorstellbar, wie nimmst Du dann Kontakt zu jemand auf?

00:14:54: Woher kennst Du einen Versteck von dieser Frau?

00:14:56: Es gibt sehr viele Wege.

00:14:58: das hängt immer davon ab welches Land wem kennt man.

00:15:01: am Ende ist es wirklich immer networking.

00:15:04: wenn ich zum Beispiel weiß Ich fahre jetzt nach Afghanistan und Ukraine.

00:15:09: Oft muss es ja sehr schnell gehen, dann melde man sich bei verschiedenen Kollegen, bei Bekannten, beim Menschen vor Ort, Kontakte die man bekommt... Und das ist wirklich ein bisschen Sisyphos-Arbeiten, muss ich sagen!

00:15:22: Und ich versuchte es auch immer so weit wie möglich selber zu organisieren.

00:15:26: In dem Fall mit dieser Frau war das über einen langen Weg von verschiedenen Kontakten, von A nach B nach C nach D und ich habe dann irgendwann ihre WhatsApp-Handynummer bekommen und wir haben geschrieben als ich noch in Deutschland war.

00:15:39: Ich werde auch nie vergessen sie schrieb mir damals Wir sehen uns, ich weiß nicht in einer Woche wenn ich noch am Leben bin, schrieb die einfach so.

00:15:46: Wow!

00:15:46: Ich saß da noch immer im sicheren Deutschland und dann hab' ich's hier am Ende getroffen in ihrem Versteck.

00:15:52: Und ich hatte eigentlich einen afghanischen Begleiter dabei, der mich und mein Kameramann unterstützt hat bei dem ich mir aber selber nicht sicher war.

00:16:00: wie pro Taliban ist er weswegen ich dann damals was anderes erfunden habe wem wir jetzt treffen.

00:16:06: und dann sind wir da alleine hin weil man muss natürlich gerade in so einer Situation wenn auf einmal Islamisten das Land übernommen haben aufpassen dass man diese Menschen noch mehr gefährdet.

00:16:17: Hast du noch Kontakt zu dieser Frau?

00:16:18: Nein Könntest

00:16:19: du den haben oder ist es im Moment gar nicht mehr möglich?

00:16:22: Das auch eine eigentlich gute Frage, die du stellst und auch ne Frage wo ich mich selber immer von mir selber so ein bisschen herauswinde.

00:16:29: Weil man hat das Bedürfnis und wahrscheinlich auch den eigenen moralischen Anspruch mit allen Menschen in Kontakt zu bleiben Die Wege weiterzubegleiten Mit ihnen zu schreiben, zu telefonieren, zu gucken.

00:16:40: wie geht es ihnen?

00:16:41: sind sie in Sicherheit?

00:16:43: Und Ich kann das in der Gesamtheit Nicht leisten?

00:16:45: Nein

00:16:45: kannst Du nicht.

00:16:46: Aber Es fühlt sich ganz oft wie Versagen an Es fühlt sich an wie einem dem nicht gerecht werden.

00:16:51: Ich will ja nicht die Journalistin sein, die mit der Kamera reinrennt und die Kamera drauf hält, ein Interview führt und wieder geht und sagt auf Nimmer Wiedersehen.

00:16:57: ist es schon mein Anspruch und in manchen Fällen schaffe ich das auch wirklich?

00:17:01: Die Geschichten erstens langfristiger zu erzählen aber auch langfristig mit den Menschen in Kontakt zu bleiben.

00:17:07: Aber ich würde schon sagen dass ich da immer wieder scheitere.

00:17:11: Ich würde es nicht als Scheitern bezeichnen, so fair.

00:17:13: Weil das kann ich auch nachfühlen wenn mir Menschen ihr Herz öffnen und von ihrem Schicksal berichten was wirklich manchmal ganz schlimm war im Laufe der vielen Jahre die ich jetzt schon arbeite sind ja auch viele Dinge begegnet wo auch Menschen eine große Hoffnung daran geknüpft haben dass ich noch weiter in dem Leben statt finde weil ich mal jemand war der richtig zugehört hat die Möglichkeit hätte.

00:17:39: Aber das ist nicht möglich für auch Frühstücksfernsehengäste, ja?

00:17:43: Die sich wünschen dass man irgendwie in Kontakt bleibt.

00:17:45: und das kannst du nicht leisten!

00:17:48: Das ist nicht deine Aufgabe, das ist so groß was man tut wenn man sich traut dort hinzugehen wo schreckliche Dinge passieren und davon zu berichten.

00:17:58: Und vielleicht nimmst Du den Kontakt irgendwann wieder auf weil Du dann wieder darüber berichten kannst.

00:18:03: aber du kannst Nicht deren Leben retten, das ist ja aber auch was ganz Schreckliches.

00:18:07: Wenn du weißt, du siehst hungernde Kinder, du sehst großes Leid und klar kannst du dem Kind vielleicht etwas zu essen geben.

00:18:14: Du kannst auch dem ein oder anderen ein paar Euro zustecken, bisschen Geld zu stecken... Aber darüber hinaus kannst du das nicht!

00:18:22: Wie ist es für dich?

00:18:23: Also manch einem Kollege oder Kollegen würde auch sagen Ich soll dem gar kein Geld zu stecken und da gibt es eine ganz klare Trennung zwischen, ich bin hier Journalist.

00:18:32: Und ich mache meinen Job.

00:18:34: Ich sehe das anders!

00:18:35: Ich bin erstmal Mensch und ich hatte auch Situationen wo ich beruflich dort war und dann aber geholfen habe.

00:18:43: Da stehe ich auch zu hundert Prozent dahinter.

00:18:46: Ich hab mal ne Familie gedreht in nem griechischen Geflüchtetenlager und die Frau war hoch schwanger.

00:18:53: Am Ende habe ich dann denen Geld gegeben für ein Taxi.

00:18:56: Dann habe ich eine Unterkunft organisiert, das war meine Grundsatzentscheidung weil ich war über Monate verantwortlich.

00:19:02: Ich hab dann organisiert dass die erst hatten den Hotel und dann habe ich selber auf eigene Faust in Griechenland eine Wohnung gesucht wo sie mit ihren Kindern und Hochschwanger unterkommen.

00:19:13: Das war jetzt auch nicht so einfach weil nicht jeder griechische Vermieter darauf diese Familie gewartet ja?

00:19:17: Die syrische Familie die da als Einzit.

00:19:19: Ich habe dann Spenden gesammelt, am Ende dann Krankenhaus organisiert.

00:19:23: Dann hat die da ihr Kind bekommen.

00:19:25: Dann haben sie noch Monate in dieser Wohnung gelebt, die ich dann finanzieren musste und dann kam irgendwann das Kind zur Welt und Sie haben Ihre Tochter ernsthaft Sophia genannt?

00:19:34: Und die kleine Sophia oder jetzt schon wie alt ist die denn jetzt?

00:19:37: wahrscheinlich schon so zehn Jahre, die leben heute in Finnland!

00:19:42: Mit der kleinen Sophia und haben sozusagen sich dann Leben aufgebaut.

00:19:47: Und da hätte man auch sagen können, hey Sophia du drehst hier mit dieser Familie.

00:19:50: das geht jetzt zu weit finde ich überhaupt nicht wenn man die Möglichkeit hat und es ist immer nur punktuell in kleinen Situationen irgendwas zu tun zur helfen zu unterstützen.

00:20:01: wer wäre ich dass nichts zu tun?

00:20:03: oder ja

00:20:05: Genau.

00:20:06: Du darfst halt nur nie die Verpflichtung spüren, das immer zu tun weil dann gehst du daran kaputt und könntest deinen Job nicht mehr weiter machen ne?

00:20:13: Und das kann man nur selber beurteilen.

00:20:15: Das kann jeder für sich nur beurteilten und niemand davon außen urteilen.

00:20:21: ja warum hat sie sich denn da jetzt so engagiert?

00:20:23: oder andersrum?

00:20:25: wie kann sie nur einfach wieder rausgehen und nichts machen?

00:20:28: wenn du in diesen Ländern bist Dann sehen wir wie du es gerade eben schon beschrieben hast Wir sehen Armut, Leid, zerbompte Häuser.

00:20:37: Elend!

00:20:38: Aber du bist fort und hast ja auch ganz anderes erlebt.

00:20:42: Hast Gastfreundschaft erlebt?

00:20:43: Und beschreib mir doch mal sowas was wir gar nicht auf dem Schirm haben.

00:20:47: also das

00:20:47: ist eigentlich... immer so, egal wo ich bin.

00:20:50: Es gibt die eine Realität und die ist auch richtig.

00:20:53: Da ist Leid und da sind zerbompte Häuser und da ist Hoffnungslosigkeit.

00:20:58: Und auf der anderen Seite, ich glaube mir würde jetzt kein Land oder keinen Einsatz einfallen, wo ich nicht gleichzeitig auch – und ich hoffe man versteht das richtig – nicht auch Schönes erlebt habe.

00:21:09: Schönes im Sinne von super liebevollen menschlichen Begegnungen!

00:21:14: Ehrlicherweise auch Spaß.

00:21:16: Das habe ich ganz oft erlebt, je näher der Krieg ist umso mehr.

00:21:21: und das dann oft auch so ein Galgenhumor lachen die Menschen.

00:21:25: Ich hab mal in der Ukraine... Tronenpiloten begleitet und wir sind da wirklich viel unterwegs gewesen.

00:21:32: Und die hat die ganze Zeit Spaß gemacht, die war so lustig!

00:21:35: Die hatte uns im Auto rumgefahren oder meinte sie ja aber das ist der Weg?

00:21:39: Das is unser Weg mit diesem Elend irgendwie nur

00:21:42: klarzukommen?!

00:21:43: Das was ich viel erlebe... Und auch wenn es pathetisch klingt, aber was ist die Wahrheit?

00:21:48: Ich habe insbesondere an den Orten wo Menschen so viel weniger haben als wir.

00:21:53: Soviel weniger haben wie wir!

00:21:55: Sei's im griechischen Geflüchtetenlager damals in Idomeni an der griechemathedonischen Grenze, das ist ein konkretes Beispiel.

00:22:01: da hatten die Menschen gar nichts.

00:22:03: Die Balkenroute wurde damals zugemacht, auf einmal waren die im Nirgendwo gestrandet.

00:22:06: Dann kam von irgendwoher ein Zelt.

00:22:08: dann hat sich da ein Camp gebildet.

00:22:09: am Ende haben da fünfzehntausend Menschen gelebt, irgendwo auf einer Wiese und dann hat sie danach und nach so eine Infrastruktur entwickelt und der eine hatte dann einen Feuer gemacht.

00:22:18: oder hat er von irgendwohin Gaskocher, dann gab es einen Topf und ne Pfanne und dann haben die da so angefangen Essen zu machen hatten von irgendwo her Lebensmittel.

00:22:25: Ich schwöre dir, ich habe da sehr viel Zeit verbracht.

00:22:28: Es wurde immer geteilt!

00:22:29: Es war immer ein Sophia kommen ist mit uns, Sophia kommen trinkt Tee mit uns.

00:22:35: und das zu erleben Menschen die eigentlich gar nichts haben, Menschen die alles verloren haben irgendwo im Nirgendwo in einem Zelt leben über Monate.

00:22:44: so eine Herzlichkeit und so ne Mitmenschlichkeit.

00:22:47: Das berührt mich bis heute, wenn ich darüber spreche und würde mir manchmal wünschen.

00:22:51: Wenn ich auf die Debatten in unserem Land gucke und auch die Stimmung.

00:22:55: Ich würde dann immer gerne mal laut schreien ja es ist nicht alles geil aber uns geht's wirklich so gut.

00:23:03: Ja das habe ich in dieser Zeit zweitelsundfünfzehn wo der sehr flüchtlingsstrom das ganze Leben beschäftigt hat und unsere Haltung wir erarbeitet haben, diskutiert haben.

00:23:15: Ich möchte mal eine Sache zwischenschieben bei allem was wir jetzt besprechen.

00:23:19: Wir sind keine Politiker.

00:23:21: ich muss glücklicherweise Keine Entscheidung fürs Land treffen Und dass will ich nicht schmälern.

00:23:26: Das ist ne ganz ganz große und schwere Aufgabe und ich sehe das so schon So groß das Leid ist.

00:23:32: wir können nicht das Leit lindern indem wir für alle die Lösung liefern.

00:23:39: Aber darum geht es ja auch, wenn unser Gespräch überhaupt gar nicht... Hier geht's einfach um die Menschen und das was dich antreibt und dass was du gesehen hast.

00:23:45: und jetzt dann schlagen wir ja auch den Bogen zu dem was heute passiert aber ich habe damals ganz oft in meinem Bett abends gelegen.

00:23:53: Oh da könnt ihr jetzt gut sehen.

00:23:57: Sorry!

00:23:59: Ich weiß noch, dass ich im Bett gelegen habe und gedacht habe danke dass ich ein warmes Bett habe weil man diese Bilder gesehen hat.

00:24:07: Die sind monatelange laufen Und dann haben die in der Nässe im Regen irgendwo unter einem Mini-Unterschlupf oder manchmal ohne Unterschlupft übernachtet mit ihren Kindern.

00:24:18: Ich habe wirklich gedacht, was ist das für ein Leben?

00:24:22: Was ist es für eine Situation?

00:24:23: und wie dankbar muss ich sein, dass ich das nicht habe?

00:24:27: Dass ich einfach einen warm schönen Bettchen einschlafen kann und morgens sicher wach werde.

00:24:31: Weißt du, was mich gerade so berührt?

00:24:33: Dein Mitgefühl!

00:24:34: Weil uns...ich glaube Teilen der Gesellschaft oder auch der Politik dieses Mitgefühl abhandengekommen ist.

00:24:42: Weil du hast es gerade so eindringlich beschrieben und das macht dich so emotional, weil du mitfühlst, weil Du empathisch bist Und das würde ich mir manchmal wieder mehr gerne wünschen.

00:24:52: dass wir egal wo man sich politisch positioniert Egal wie man darauf blickt oder glaubt Deutschland kann das schaffen auf Integration blickt auf Defizit ist völlig egal.

00:25:05: Es geht um Menschen Und in keiner Welt kann es in Ordnung sein, dass Menschen wie du gerade beschrieben hast über Monate auf der Flucht sind.

00:25:13: Mütter ihre Babys in irgendwelchen Zelten gebären müssen.

00:25:17: Menschen Hunger leiden vor unseren Toren ertrinken das kann in keiner welt okay sein egal wo man sich politisch positioniert

00:25:25: und das kann man aussprechen ohne dass man jetzt die Lösung parat hat.

00:25:30: weiß ich habe dir auch nicht parat Und ich habe auch vieles nicht gut gefunden, wie das dann im Nachhinein gehandhabt wurde.

00:25:36: die Jahre.

00:25:37: Das hätte ich mir anders gewünscht besser gewünschte viele anderen.

00:25:40: aber das zu sagen bei allem was jetzt gerade passiert kann es niemals falsch sein wenn man sich an die Seite stellt von Menschen die gerade keinen Schutz bekommen und auch kein internationalen Schutz bekommen.

00:25:57: mich umtreibt manchmal, um jetzt einmal die Situation zum Beispiel in Gaza.

00:26:02: Das hat uns so lange beschäftigt.

00:26:04: Mich hatte es die letzten Jahre persönlich auch so beschäftigt weil ich gedacht habe das ist ein wahnsinniges Unrecht was da passiert.

00:26:12: und wie muss sich anfühlen wenn man die Welt wegguckt?

00:26:17: Vergleiche brauchen wir gar nicht zu ziehen, aber in der Ukraine ist es ganz schrecklich und heute Morgen habe ich die Nachrichten geguckt.

00:26:23: Und wieder sind Drohnen gelandet haben einen ganzen Häuserblock vernichtet und Menschen getötet von russischen Drohne.

00:26:30: da ist aber Europa an der Seite.

00:26:32: auch andere Länder die USA sind an der seite der Ukrainer und versuchen gegenzuhalten zu unterstützen usw.

00:26:41: Die Situation in Gaza und Miss Jordanland.

00:26:45: Viele sich damit nicht beschäftigen aus unterschiedlichen Gründen.

00:26:49: zum einen.

00:26:50: Der Konflikt ist so schwierig zu verstehen und die Hamas ist ja auch ganz schlimm, natürlich brauchen wir uns nicht darum unterhalten dass dieses Attentat am sieben Oktober fürchterlich war.

00:27:01: Ich werde die Bilder nie vergessen, die wir da gesehen haben.

00:27:04: Niemand wird die vergessen der sie gesehen hat Und diese Frau mit blutender Jogginghose in Geiselhaft genommen wurde hat gesehen, dass sie Schreckliches erlebt hat.

00:27:17: Aber man kann ja Mitgefühl für beide Seiten haben und das geht mir manchmal... ich verstehe das nicht warum man nicht mit Gefühl haben kann wenn man ein Mensch ist für dieses Leid und auch dieses Bedürfnis sich zu verteidigen und das auch zu ahnden.

00:27:31: aber

00:27:32: es rechtfertigt halt nicht Kinderverhung anzulassen auf Kinder zu schießen Zivilisten zu töten in einer Zahl die unbeschreiblich ist.

00:27:43: Ich verstehe das nicht.

00:27:44: Wie man diese Menschlichkeit nicht hat auf beiden Seiten!

00:27:48: Ich habe gerade so viele Gedanken und Gefühle, ich kann erst mal nur sagen Ja ja und ja... Mich lässt es heute auch mal noch verzweifeln, muss ja ehrlicherweise sagen über Gaza spricht er gerade eh keine mehr.

00:28:00: Also ist das ja eh eigentlich vorbei.

00:28:02: weil's wird so getan?

00:28:03: dass wäre der Krieg dort vorbei was unsinn ist werden weiterhin Menschen getötet es leiden weiterhin Menschen Es kommt weiterhin zu wenig Hilfe rein Menschen haben weiterhin Hunger.

00:28:13: Ich habe da sehr lange mit mir gehadert ob ich es alleine bereit bin so auszusprechen wie du es gerade ausgesprochen hast das genauso sehe, aber auch immer Angst habe stigmatisiert zu werden und einfach für Menschen einzustehen.

00:28:30: Für unverhandelbare Menschenrechte die auch den palästinensischen Menschen zukommen muss.

00:28:37: Das kann nur richtig sein und ich finde dass die deutschen Medien in Teilen da auch wirklich defizitär berichtet haben.

00:28:46: Und der große Unterschied, wenn wir auf die deutsche Bundesregierung blicken ist es ja so weil du die Ukraine genannt hast.

00:28:52: Da sind wir an der Seite der ukrainischen Menschen, weil sie einen Angriffskrieg durch Russland erleiden und auf der anderen Seite geben wir Rüstungsexporte und Waffen bis heute mit denen palästinensische Menschen unter anderem getötet werden.

00:29:07: Und darüber würde ich eigentlich gerne mehr sprechen.

00:29:11: Deswegen sitzen wir hier!

00:29:12: Ich mach das nicht leichtfertig, muss ich sagen.

00:29:15: Ich weiß es auch, ich möchte auch nicht stigmatisiert werden und ich überprüfe ganz doll immer wieder wie empfinde ich, warum empfande ich so?

00:29:24: was sind die Fakten?

00:29:25: Warum sind Dinge so wie sie sind?

00:29:28: Und ich habe ein ganz ganz großes... Verständnis dafür, dass wenn du immer in Angst lebst.

00:29:33: In dieser Region Menschen in Israel weil so viele Länder um dich rum dein Existenzrecht infrage stellen und deinen Tod sich wünschen.

00:29:44: ich kann das verstehen.

00:29:45: Und auch da ist mein Mitgefühl.

00:29:47: ja als diese Geiseln befreit wurden und meines Wissens vor allem über diplomatische Gespräche.

00:29:54: Ja und wenn die Bilder Diese ausgemergten Menschen, die da in ganz schlimmen Situationen, in menschenverachtenden Situationen gelebt haben müssen und dann zurück zu infamilien kommen.

00:30:05: Mir liefern die Tränen runter!

00:30:08: Ich habe mir nur vorgestellt wie das ist wenn es deine Angehörigen sind die da zurückkommen.

00:30:12: Mir liegen die Tränen runter aber wir laufen sie halt auch unter.

00:30:16: Wenn ich ein Arzt höre... Das war irgendwann im ZDF in der Sendung heute.

00:30:21: Er erzählt hat er arbeitet da im Krankenhaus Mit Gerätschaften, er muss Kinder operieren und das Leben eines Kindes retten mit Gerätschaften die für Erwachsene sind.

00:30:31: Die haben zu wenig Verbandsmatter her, die haben nichts dort in diesen Krankenhäusern Und diese Situation ist so unmenschlich wie sie dort leben müssen.

00:30:40: Ärzte ohne Grenzen, die in Gaza Kinder Zivilisten Menschen zutaten Tausenden behandelt haben und oftmals das Leben nicht retten konnten, mit welchem Zustand.

00:30:50: Das darf man doch auch nicht akzeptieren oder hinnehmen.

00:30:53: Ich glaube

00:30:53: was dich eben unterscheidet von ganz vielen anderen dass du in der Lage bist Gleichzeitigkeiten zu akzeptiert.

00:30:59: Das eine ist wahrhaftig genauso wie das andere und das schaffen wir in Deutschland im großen Teil nicht.

00:31:05: es immer ein Aber Es ist aber kein Aber, beides ist richtig.

00:31:10: Den siebten Oktober zu verurteilen und genauso zu verursachen welche Verbrechen an den Palästinensanzeiten begannen werden die man eben nicht rechtfertigen kann mit dem Siebtnoktober.

00:31:20: Ich möchte dir noch ein Beispiel nennen weil es genau für diese Gleichzeitigkeiten steht und vielleicht auch ein bisschen Hoffnung gibt wenn man auf diese Region blickt.

00:31:29: ich war ja nach dem Siebitnokober mehrfach vor Ort und habe eine dieser Geisen getroffen die befreit wurde, Magalith.

00:31:37: Die auch Deutsch-Israelien ist und mit der ich mich auf Deut unterhalten konnte.

00:31:40: Und die war bereit mir zu erzählen was sie dort erlebt hat in den Tunneln der Hammers.

00:31:45: Und ganz am Ende des Interviews habe ich sie gefragt geht, wenn sie auf die Menschen in Gaza blickt?

00:31:53: und dann hat sie gesagt.

00:31:54: Die Menschen tun mir Leid weil nicht alles ein Hamas war es ja oft so dieses Narrativ wäre.

00:31:59: Richtig!

00:31:59: Das ist alles Hamas das sind alle Terroristen.

00:32:01: Bullshit für Menschen wie du.

00:32:03: und ich Punkt So.

00:32:05: und dann habe ich Sie im Ende gefragt ob Sie einen Frieden glaubt und er sagt sich Ja Frieden macht man mit Feinden.

00:32:12: So habe ich es gelernt.

00:32:14: Das hat mich damals so berührt, dass diese eine Frau die das schlimmstmöglichste erlebt hat und an den Frieden glaubt.

00:32:21: Und gleichzeitig war ich im Weste-Ordernland und hab einen Mann getroffen, arbeit in Palästinensa.

00:32:26: Dass ein Familienangehöriger wurde von radikalen Siedlern kurz nach dem siebten Oktober getötet.

00:32:32: auch er hat das Schlimmstmögliche erlebt.

00:32:35: Seine Familie wurde getötete durch die andere Seite in Anführungsstrichen Und wir sind dann zu der Stelle gelaufen, wo das Ganze passiert ist.

00:32:44: Und er hat zu mir gesagt dass er an den Frieden glaubt und dass es nur Frieden geben kann wenn es allen Kindern gut geht in israelischen genauso wie den palästinensischen.

00:32:54: also eine ähnliche Tonalität wie Magalit.

00:32:57: zwei Menschen die das schlimmstmöglichste erlebt haben und daran glauben wahrscheinlich weil sie müssen bei man muss daran glauben Irgendwann Frieden geben kann und dass es eine Perspektive für die Region geben kann.

00:33:10: Und das hat mich unglaublich berührt!

00:33:13: Ich würde gerne einmal mit dir besprechen, was den Unterschied ausmacht zwischen einem Land wie Gaza und West-Jordanland im Vergleich zu anderen Ländern auch bevor das alles jetzt in den letzten Jahren passiert ist.

00:33:26: Jemand der in Gaza gelebt hat... Die Menschen dort konnten ja nicht frei leben.

00:33:31: Beschreibt es mal bitte

00:33:32: Auf jeden Fall.

00:33:32: Also eine grundsätzliche Abhängigkeit, auch wer wann wie wo raus kann welche Lieferungen es gibt und so weiter.

00:33:40: Israel hat das auch im Vorfeld kontrolliert vor allem auch in Westjordanland.

00:33:44: ich glaube Das verstehen viele nicht dass die Palästinenser dort Obwohl es ja auch eine palästinensische Region gibt, als Bürger zweiter Klasse leben.

00:33:53: Es gibt verschiedenes Recht für israelische Bürger – also Siedler in dem Fall im Westjordanland im Vergleich zu den Palästinsern.

00:33:59: Die Palästeninsen stehen unter Militärrecht und die Israelis unter Zivilrecht.

00:34:04: Also es gibt da wirklich kolossale Unterschiede aber auch einfach in der Lebensrealität.

00:34:10: Ich war ja jetzt erst wieder im WestJordanland und war in den man nennt es Geflüchteten Lager.

00:34:16: Das kannst du dir am Ende eher wie Slums vorstellen.

00:34:19: Die Menschen dort, die Paläzinenzer haben einen schlechteren Zugang zum Gesundheitssystem und Bildungssystem.

00:34:27: Also es ist einfach kein gleichwertiges Leben weil sie seit Jahrzehnten unter und das muss man auch so benennen illegaler Besatzung erleben.

00:34:38: Und da ist es ja de facto so dass wir Auch von der Bundesregierung.

00:34:43: Man hörte immer mal wieder was dazu, dass sie sagen nee das ist nicht richtig und die israelische Regierung soll jetzt aufhören noch mehr Siedlungen zu bauen und es ist völkerrechtswidrig aber es hat ja keine Konsequenzen...

00:34:55: Keine Auswirkungen!

00:34:56: Es sind Mahnungen und Warnungen.

00:34:58: da sind wir mittlerweile angelangt.

00:35:01: Also ich glaube schon, dass Friedrich Merz vielleicht doch im Vergleich zu seinen Vorgängern sogar schon und das muss man glaube ich schon sagen sogar noch mehr mahnt und mehr warnt als zuvor.

00:35:10: Aber es hat keine Auswirkungen, dass Menschen dort unter illegaler Besatzung leben und eben dieses Unrecht erfahren Auch diese Tötungen durch israelische Armee und durch radikale Siedler von palästinensischen Menschen im Westjordanland, das hat keine Konsequenzen.

00:35:29: Und in Schatten des Krieges vor allem seit dem siebten Oktober wurde so viel weiteres Land illegal dort eingenommen wie im Jahrzehnten zuvor nicht?

00:35:39: Das passiert jeden Tag!

00:35:42: Keiner spricht darüber... keine Konsequenzen.

00:35:45: Und wenn du sagst, es wird Land eingenommen dann findet es ja faktisch so statt.

00:35:49: Es gibt Reportagen darüber die ich auch nie vergessen werde dass diese radikalen Siedler und das sind Menschen die sind rechtsradikal in der extremsten Form mit dem gestückten Maschinengewehr zu ein Haus gehen und sagen raus!

00:36:03: Dann müssen diese Menschen raus und sie nehmen das Haus ein und bauen das Haus um und dann ist es ihres und es gibt kein Gericht was das endet.

00:36:13: Das ist die Lebensrealität seit Jahrzehnten für Menschen, die in Gaza und Investitionen

00:36:17: anleben.

00:36:18: Sogar schlimmer seit dem siebten Oktober weil dadurch viele Siedler als Reserve eingezogen wurden und das jetzt sozusagen im Namen der israelischen Armee machen können in Uniform.

00:36:28: Und ja, die nehmen gewaltsam Häuser Die errichten.

00:36:31: man nennt es dort sogenannte Outposts also Außenposten Irgend Hügel.

00:36:36: dann packen Sie ihre Fahne drauf stellen in Container hin was eigentlich Palästinenser des Landes ist und gehen so Stück für Stück vor in dieser Landnahme.

00:36:45: Und das mindestens unter den Augen der israelischen Armee enttalen sogar mit deren Unterstützung, und ja, die Palästenenzer werden dort getötet und verlieren nach und nach ihr Land.

00:36:56: Ich habe damals auch ...

00:36:58: Sie zu einem Gericht gehen könnten und sagen können hier dieser Mensch hat mein Land genommen, und hat meinen Bruder getötet.

00:37:05: Und der muss jetzt bestraft werden?

00:37:06: Diese Bestrafung findet nicht statt.

00:37:08: Ja die

00:37:08: Frage ist was soll es für ein Gericht sein wenn Teile der israelischen Regierung ja selber wie Smotritsch und Benguir radikale Siedler sind und dieser Siedlere Bewegungsjahr nahestehen und genau dieses Agieren vor Ort unterstützen?

00:37:20: also wenn eine Regierung genau das unterstützt welches Gericht sollte dann dagegen vorgehen?

00:37:25: Ja, nee das ist das große Ziel.

00:37:28: Welches ist das größte Ziel?

00:37:29: Eritz Israel also Großisrael am Ende Was ja vor allem hier die Menschen wahrscheinlich kennen von den deutschen Straßen, diesen Slogan from the River to the Sea.

00:37:39: Ich glaube da muss man auch ein bisschen Aufklärungsarbeit betreiben.

00:37:42: From The River To The Sea beschreibt zum einen was sozusagen die eine Seite sagt das soll komplett Palästina sein... ...from Jordan bis zu Mittelmeer also von dem Fluss Jordan bis zur Mittelmeere.

00:37:54: aber from the river is die gleiche Vision dieser Leute.

00:37:57: Der steht auch im Parteiprogramm der Likud-Partei von dass sie ein Groß Israel.

00:38:04: Und das ist die Vision von Smodritsch und

00:38:06: Co.,

00:38:07: alles Land wieder einzunehmen!

00:38:09: Ein großes Israel und da gehören auch Teile von Südsyrien dazu.

00:38:14: Da gehören je nach Auslegung auch.

00:38:16: übrigens, also nach biblischer Auslegungen gehört ja der Süd-Liebernon dazu.

00:38:20: Ich glaube ich ist wichtig zu verstehen warum gehen die in den Südliebernon rein?

00:38:23: Warum wollen sie wieder Land besetzen?

00:38:25: Das ist die Vision.

00:38:27: dieses ganze Land wieder zu besitzen und es mit dem Label Israel zu versehen.

00:38:32: das ist das Ziel.

00:38:33: Und auf der anderen Seite natürlich so wie du es gesagt hast wird von der anderen seite auch gesagt das Existenzrecht Israel auszulöschen.

00:38:40: Diese Bestrebungen und dieser Wunsch gibt es auch von der anderen Seite, das macht den Konflikt so schwer.

00:38:45: Das Einzige ist halt... Das eine Land ist eins, was international gefördert geachtet und unterstützt wird.

00:38:52: Und die anderen Länder sind sozusagen immer als terroristische Länder oder als terroristischen Organisationen gelten, die dann solche Dinge aussprechen?

00:39:01: Es gibt auch einfach ein strukturelles Machtgefälle zwischen den beiden Seiten.

00:39:05: Ich glaube das muss man schon verstehen.

00:39:06: Richtig!

00:39:07: Das muss man wirklich verstehen.

00:39:08: Und ich denke manchmal... Also ich ziehe irgendwie immer automatisch Vergleiche.

00:39:12: Ich bin Mutter von zwei Kindern, die mittlerweile erwachsen sind.

00:39:16: dass du innerhalb einer Familie, wenn man mal unsere Gesellschaft auch als eine Familie betrachtet das Gerechtigkeit herrscht.

00:39:23: Wenn du vier Kinder hast drei haben ein eigenes Zimmer dürfen in die Schule dürfen abends mit Freunden sich treffen dürfen studieren und ein Kind muss im Keller wohnen kriegt nur zu essen und darf all das nicht.

00:39:40: Was wird mit diesem Kind passieren, wenn es erwachsen wird?

00:39:43: Das Machtgefälle, das Gefälle in der internationalen Unterstützung ist halt riesengroß!

00:39:48: Und ich habe mal gelernt, ein Kind fertig gemacht wird von den Großen und Starken, dann stellt man sich an die Seite des Schwachen und unterstützt.

00:39:59: Es wird hier kein Kind gehänselt!

00:40:00: Und das ist es, warum wir diesen Podcast jetzt auch machen, warum ich das wichtig finde auszusprechen – dass es richtig ist, sich an der Seite der Menschen zu stellen, die jetzt im Gase- und Investortern keine Unterstützung bekommen.

00:40:14: Es gibt auch keine Journalisten, die da reinkönnen oder unabhängig berichten können.

00:40:19: Wie ist da deine Erfahrung?

00:40:20: Es gibt noch einige Hilfsinstitutionen, die den Gaza tätig sind.

00:40:22: Es wird immer schwieriger und restriktiver weil Israel jetzt ja auch einige sozusagen auf die Liste gesetzt hat, die dort nicht mehr arbeiten sollen als Journalisten, die rein wollen so wie ich.

00:40:34: es ist unmöglich.

00:40:39: Man kann nur mit der Kriegspartei in dem Fall der israelischen Armee rein, aber das ist keine Freiberichterstattung.

00:40:46: Die zeigen dir was sie dir zeigen wollen weil es eine Kriegspartei ist und ihre Narrative bedienen wollen.

00:40:51: plus die palästinensischen Kollegen und Kolleginnen werden getötet.

00:40:56: Es wurden im vergangenen Jahr unfassbar viele getötete ich glaube inzwischen über zweihundert die seit dem siebten Oktober ermordet wurden, teilweise gezielt von der israelischen Armee.

00:41:07: Weil die dann behaupten es sind Terroristen oft ohne Nachweise zu liefern, teilweise sozusagen nicht gezielt bei irgendwelchen Bombattierungen.

00:41:16: Deswegen habe ich für mich entschieden.

00:41:18: Ich möchte das nicht.

00:41:19: Ich möchte frei berichten.

00:41:20: Ich hab kein Interesse an, ich muss es so sagen einer Propagandatur.

00:41:25: Deswegen gehe ich regelmäßig ins Westjordanland.

00:41:27: Und weil du gerade von den Kindern gesprochen hast, ich hab damals nach dem Siebknocher über zwei kleine Jungs getroffen im Westjordernland in diesem Lager.

00:41:35: Also die standen erst mal wirklich in der Szenerie... Ich dachte, ich bin ein Gaser!

00:41:39: Da war alles kaputt gebombt in diesem lager und die haben mit den Patronenhülsen der letzten Nacht gespielt.

00:41:45: Der eine Kleine hatte so einen Hoodie an und hatte links so ne wirklich so ne Handvoll leerer Patronenhülsen von den Gefechten der Letzten Nacht zwischen israelischer Armee und der militanten Palästinensergruppe.

00:41:58: Und mein palästinenischer Begleiter damals zu mir gesagt, Sophia was glaubst du wird aus denen?

00:42:04: Was wird aus den?

00:42:05: Die waren achtundzehn Jahre alt die werden hier groß.

00:42:08: die Straße wurde kaputt gemacht Der Weg zur Schule wurde abgeschnitten.

00:42:12: Im schlimmsten Fall wird das Hausbomber die durch sich verlieren Familienangehörige getötet werden.

00:42:17: Was wird Aus ihnen im schlimmsten fall Kämpfer?

00:42:20: Das war seine Worte.

00:42:21: er selber lebt in diesem Lager Und ich habe dann auch im Rahmen dieser Dreharbeiten Kämpfer von dem palästinensischen islamischen Jihad interviewt.

00:42:30: Einer war sechzehn, der war elf Tage später tot weil er getötet wurde und ich war jetzt vor wenigen Wochen wieder in diesem Lager.

00:42:38: Ich wollte dahin, ich wollte gucken wie geht es den Menschen denn jetzt?

00:42:40: weißt du was?

00:42:41: Sie waren alle weg!

00:42:42: Weil die israelische Armee sie alle verdrieben hat das Lager besetzt hat und vierzigtausend Menschen ihr Zuhause verloren haben.

00:42:49: Das ist die Realität gerade.

00:42:50: Weil ich wollte gucken, wo sind die Jungs?

00:42:52: Wie geht's denen?

00:42:53: Weil genau was wir vorhin meinten im besten Fall man nochmal guckt noch mal hingeht wie hat sich diese Situation entwickelt?

00:43:00: ja aber ich konnte sie nicht mehr finden.

00:43:02: es findet ja eine landeinnahme statt und zwar in ganz ganz großem maß.

00:43:06: ich meine trump hat davon fantasiert gemeinsam mit netan jau dass gaser ja schönes bauland ist und man da traumhafte landschaften kreieren möchte.

00:43:17: Die Vertreibung ist ja ganz klar.

00:43:19: Wir sehen, was dort passiert.

00:43:21: Zehntausende getötete Landwirt systematisch zerstört Menschen verhungern es kommt nicht genug Hilfe rein bewusst.

00:43:27: also ich glaube das ist eigentlich egal wie wir es nennen ein großes Verbrechen ein großes verbrechen an den Menschen in Gaza einen palästinensischen Menschen und da würde ich die Bundesregierung in der Pflicht sehen Da würde ich, also nicht nur die Deutsche.

00:43:42: Ich würde jedes Land in der Pflicht sehen zu sagen okay wir müssen hier Einfluss nehmen gerade als befreundeter Staat gerade wenn wir sagen und zurecht ist Israel ein befreunderter Staat.

00:43:55: das muss so sein.

00:43:56: Die Geschichte bedingt das zurecht.

00:43:59: Gerade

00:43:59: deswegen würde ich mir da mehr erwarten von der deutschen Bundesregierung als eben nur Mahnungen und Warnungen, es gibt ja auch grundsätzlich politische Instrumente über die man zumindest mal diskutieren sollte.

00:44:11: Man kann bestimmte verantwortliche Regierungsmitglieder sanktionieren, Einreisesperren auf EU-Ebene abkommen mit Israel an die man rangehen könnte.

00:44:21: also es gibt theoretisch politische Instrumente.

00:44:26: Politikerin und ich bin auch nicht Aktivistin, ich bin Journalistin.

00:44:29: Ich kann nur sagen, ich würde mir mehr Debatte darüber wünschen.

00:44:32: welche Möglichkeiten gibt es denn de facto?

00:44:34: Was kann man machen?

00:44:36: Ich glaube das wäre

00:44:37: angemessen.".

00:44:38: Du hast ja an der Grenze zu Gaza gestanden und hast gesehen dass Hilfslieferungen nicht reingelassen wurden.

00:44:45: Beschreib doch mal was du da erlebt hast!

00:44:46: Also das war die Zeit als Es verstärkt Proteste gab von wirklich radikalen Israelis, das muss man es ausbenennen.

00:44:55: Also da steht nicht der Durchschnitts-Israeli, radikale Israelis und auch Menschen aus der Siedlerbewegung die es sich zum Ziel gesetzt haben Hilfslieferungen zu blockieren.

00:45:06: also ganz klar sagen wir wollen nicht dass Hilfe zu den Menschen kommt Die Menschen darin die eh schon hungern Und ich habe die dann damals begleitet.

00:45:16: Das war eine totale Harakirreaktion, weil sie sagen auch vor allem nicht genau wo sind Sie?

00:45:20: Wo blockieren Sie?

00:45:21: und wir sind da kreuz- und quergefahren haben die dann irgendwann gefunden und haben die zu Fuß weiter begleitet bis zur Grenze, wo die wirklich diese Trucks blockiert haben.

00:45:30: Ich hab da damals ein junges Mädchen getroffen, ich glaube sie war fünfzehn, die dabei war.

00:45:36: Sie hatte so ne Israel Flagge umgebunden und ich fragte sie so hast du dein Empathie mit den Menschen drin?

00:45:42: Mit denen habe ich keine Empathie.

00:45:43: Seit dem siebten Oktober haben die Empathien mit uns, wie soll ich Empathies mit denen haben?

00:45:48: Sie haben die nicht verdient!

00:45:49: Was ist denn das schon für eine Radikalisierung auch auf dieser Seite in so jungen

00:45:54: Jahren?!

00:45:55: Also muss ich wirklich sagen da kann auch dieses junge Mädchen gar nichts dafür weil es ist ja sozusagen ihre Sozialisation dass es die Familie in der sie groß wird, die Gesellschaft in der sich groß wird.

00:46:05: und am Ende der Tag lief auch so, dass das erfolgreich war und diese Trucks dann an diesem tag nicht über die Grenze kommen konnten und diese Hilfe, diese lebensnotwendige Hilfe nicht zu den Menschen in Gaza kommen konnte.

00:46:19: Es gibt so Sätze, die mir immer wieder begegnet sind.

00:46:22: Wenn ich im Gespräch gehe mit Menschen, die sagen mal, ich bin auf der Seite von Israel und da gibts gar nichts und die haben das Recht sich zu verteidigen... Ich hab mich gefragt ist das Verteidigung?

00:46:33: Das ist schon lange keine Verteiligung

00:46:34: mehr!

00:46:35: Also ich glaube, dass es auf jeden Fall legitim ist darauf militärisch zu reagieren.

00:46:41: Wer bin ich das Israel abzusprechen?

00:46:42: Ich glaub' ,dass es auf jedem Fall legitim is'.

00:46:44: Deswegen gibt's ja auch das Recht der Selbstverteidigung festgeschrieben.

00:46:48: Aber wie du eben sagst Das war sehr schnell überschritten Aufgrund der Verbrechen die dann dort vor Ort begangen wurden.

00:46:57: Und nochmal...Ich bin Journalistin!

00:47:00: Ich kann nur sagen nach allem was ich vor Ort erlebt habe in dieser Region wird man so niemals Frieden bekommen.

00:47:07: Wird dieser Konflikt so niemal enden?

00:47:09: Das ist ja auch ein völliger Aberglaube, das ist ja eines der Narrative.

00:47:13: Wir besiegen die Hamas und dann ist alles gut!

00:47:18: Das ist eine Überzeugung, das ist eine Ideologie.

00:47:22: Die kannst du nicht mit Bomben besiegen!

00:47:24: Im schlimmsten Fall reproduzierst Du mehr und mehr.

00:47:27: Denk an die zwei kleinen Jungs.

00:47:29: Wenn denen alles genommen wird – die Familie getötet wird im schlimmsten fall – dann radikalisiert es die Menschen.

00:47:34: Das was die Palästinenser in Gaza erleiden mussten, das radikalisiert weiter Die Menschen im Libanon, die ihr zu Hause verlieren, die gewaltsam vertrieben werden, deren Angehörige tötet werden.

00:47:46: Werden die sagen, jetzt finden wir Israel richtig gut?

00:47:51: Also so funktioniert es ja nicht und ich glaube... Auch da würde ich mir mehr ehrliche Debatte darüber wünschen.

00:47:57: Ich glaube, dass die Geschichte in den seltensten Fällen gezeigt hat, das man so zu echten Frieden kommen kann.

00:48:05: und echter Friede bedeutet nicht nur ein Stück Papier wo man sich einigt und sagt jetzt Waffenstillstand und Friede sondern der muss eben auch in den Köpfen und Herzen der Menschen ankommen.

00:48:15: Und so habe ich da ehrlicherweise keine Hoffnung wenn ich auf die Region blicke.

00:48:22: Politik Die von Hass angetrieben ist, die kann niemals was Gutem führen.

00:48:27: Die es auf allen Seiten zu verachten.

00:48:31: Wir sprechen hier über etwas, das uns beiden zusetzt ne?

00:48:33: Es ist schon nicht so einfach weil mit so einem Gespräch hier ich möchte eine Sache auf gar keinen Fall dass noch mehr negative Gefühle produziert werden in alle Richtungen sondern ich wünschte mir einfach nur, dass wir dahin gucken wo Menschen über alle Maßen Leid erleben und das wir nicht darüber hinwegsehen wer was nicht aushalten können.

00:48:55: Ja!

00:48:56: Und ich versuch immer meiner Arbeit zum einen eben diese Gleichzeitigkeiten zu benennen und da wohl sehr viel entmenschlicht wird und versachlicht wird wieder ein bisschen Menschlichkeit reinzubringen.

00:49:07: auch ein bisschen Aufklärung Wie du sagst, nicht jeder Mensch in Israel will das Palästinenser getötet werden.

00:49:13: Nicht jeder Mensch im Libanon ist hispola und will dass Israel ausgelöscht wird!

00:49:18: Nicht jeder Palästeinser is Hamas.

00:49:22: Und das klingt irgendwie richtig, nicht naiv aber es klingt ja logisch so viel.

00:49:26: Aber so wie wir die Debatten führen und wie teilweise darauf geblickt wird ist das alles gar nicht so logisch und deswegen muss man manchmal auch, wie ich finde diese einfachen Dinge aussprechen.

00:49:36: Ja und darauf sollten wir uns alle einigen können und ich glaube von da aus dann gemeinsam nachdenken diskutieren Wir können auch streiten über diesen Konflikt.

00:49:45: Wir können unterschiedlicher Meinung sein und das glaube ich auch menschlich zu sagen Hey, ich sympathisiere oder hab gerade mehr Mitgefühl mit dem als mit dem.

00:49:55: Auch das muss möglich sein!

00:49:57: Nur die unverhandelbare Basis.

00:50:00: und deshalb was dir auch so wichtig ist... Die Menschlichkeit.

00:50:03: Genau.

00:50:04: Die

00:50:04: muss klar sein und die muss definiert sein.

00:50:07: Diese unverhandelbare Menschlichkeit ist glaube ich das.

00:50:11: Warum ich jetzt dieses Gespräch mit dir führe?

00:50:13: Weil ich das nicht erkennen.

00:50:16: Das ist so das was einem dener Schlaf raubt und das, was so unglaublich schwer ist.

00:50:23: Dass eben ein Menschenleben nicht gleichwertig angesehen wird in unterschiedlichen Regionen.

00:50:29: Und da wo Journalisten nicht reingelassen werden Da wo Hilfsorganisationen Nicht rein dürfen obwohl dort Menschen hungern da kann man sagen findet unrecht statt.

00:50:42: richtig?

00:50:42: ja Das ist Unrecht und das darf man, muss man auch so benennen.

00:50:46: Was

00:50:47: ich jetzt manchmal in den letzten Monaten gedacht habe, eines der großen Probleme unserer Gesellschaft überall auf der Welt ist eigentlich dieser Algorithmus – dass es einen Algorithmos gibt!

00:50:58: Dass mir auch die Dinge zugespült werden, die ich sehe von denen ich sowieso schon weiß die mich noch mehr bestätigen in der Meinung, die ich vielleicht habe und mein Gegenüber halt auch.

00:51:11: Jeder sieht nur noch das was er sehen will und glaubt dass das ja die Wahrheit ist.

00:51:16: Wenn du nur Twitter guckst, wenn du nur Instagram TikTok und wo auch immer deine Informationen herholtest, du siehst nur noch etwas was dich bestätigt.

00:51:25: Das halte ich für ein ganz großes Problem in unserer Bildung

00:51:27: auch.

00:51:28: Total und ich glaube, da ist man selber auch nicht befreit von... Natürlich!

00:51:31: ...also muss man auch selber ganz genau gucken.

00:51:33: wie sehr wird eigentlich gerade meine Meinung, meine Haltung davon geprägt?

00:51:38: Und da muss ich wieder sagen, wie unfassbar privilegiert bin ich weil ich gehe vor Ort und ich habe dann die Chance mit.. Ich finde diese Seiten immer so doof.

00:51:46: aber du weißt was ich mal mit allen Seiten zu sprechen als ich jetzt gerade in Israel war.

00:51:51: Also ich war wieder im Westjordanland, aber es war mein ganz großes Anliegen auch mit Betroffenen Israelis zu sprechen.

00:51:57: Und ich war dann an der Stelle wo damals Shani Luke erinnert, sodurch die ISRAELI entführt wurde auf diesem Festivalgelände und habe damit Menschen gesprochen.

00:52:08: Ich war unterwegs mit einem Israeli, der zu mir gesagt hat, Sofia ... Das Gefühl, das ganze Welt hat den siebten Oktober vergessen!

00:52:17: Und ich war so, okay, spannend krass.

00:52:19: Das ist seine Perspektive!

00:52:21: Ich habe den Bruder von der befreiten Geisel getroffen wo ich auch festgestellt hab dass eine Verhärtung stattgefunden hat auf dieser Seite.

00:52:31: die fühlen sich nicht mehr gesehen in ihrem Schmerz und ihrem Trauma und da habe ich den Luxus von Algorithmen befreit zu sein und zu sagen hey ich bin vor Ort und ich spreche mit den verschiedensten Menschen um dieses gesamte Bild zu bekommen.

00:52:48: Aber ja, ich glaube wenn ich das nicht tun würde, würde auch mehr Gefahr laufen vielleicht nur so sehr von einer Perspektive bespielt werden.

00:52:58: Also ich versuche das auch immer wieder mich selber herauszufordern bei diesem Thema und vielen anderen Themen dass ich mir gezielt Informationsquellen suche die nicht meine natürlichen sind und wirklich immer überprüfe und gar nicht mehr rausnehme jetzt zu urteilen oder eine Lösung selber zu kreieren weiter von entfernt, bin ja keine Politikerin.

00:53:19: Aber ich nehme mir irgendwie raus etwas auszusprechen was ich sehe und empfinde und noch viel mehr sehen würde wollen würde wenn neutral berichtet werden würde.

00:53:30: das darf jeder Mensch finde ich gibt ja ganz oft den Satz politisch äußert dich lieber nicht da kannst du nur die Finger verbrennen ganz besonders bei dem Thema rund um Gaza Israel Syrien.

00:53:44: Da habe ich schon ganz, ganz häufig gehört mach's lieber nicht damit schadest du dir und machst lieber nicht, damit verbränzt ihr die Finger oder den Konflikt versteht man doch sowieso nicht.

00:53:54: Du da bin ich raus!

00:53:55: Dann denke ich mir das aber scheiße.

00:53:58: also wenn wir da wo wir vielleicht selber Repressalien erleben könnten oder einfach eine Gegenwehr erleben konnten in einer Schublade gesteckt werden ein Diskreditieren erleben können uns einfach nicht äußern obwohl Menschen gerade ganz schreckliches Leid erleben, dann ist es aber schlecht.

00:54:17: Und ist es nicht schlimm dass wir uns in Deutschland da hin entwickeln?

00:54:21: Also auch da wenn ich den direkten Vergleich habe... Ich war vielen Ländern, wo man nicht frei seine Meinung äußern kann.

00:54:28: Man kann das hier, wir leben in einer Demokratie und man sollte nicht aus Angst heraus dieses Privileg nicht nutzen.

00:54:34: Und ich habe schon das Gefühl, dass unsere Gesellschaft sich immer mehr dahin entwickelt, dass diese Angstverstigmatisierung gekänzelt zu werden, sich irgendwie sozial ins Auszustießen, dass es immer größer wird.

00:54:45: Wir hatten das schon bei Corona... Dieses Gefühl in der Gesellschaft, nee das kann man ja nicht sagen.

00:54:50: Weil dann das und dass oder wenn ich das sage, dann werde ich gleich als Geld gleich als das und das.

00:54:55: Und es ist bei einer Ost noch mal stärker geworden.

00:54:58: und das sehe Ich als Journalistin aber auch als Mensch wirklich mit ganz ganz großer Sorge weil gerade Bei diesen polarisierenden Themen braucht Es unbedingt eine Debatte und ein klares benennen Auch von Fakten und Nicht Ein wegschauen.

00:55:15: was war die letzte Region, als du berichtet hast.

00:55:18: Ich war tatsächlich bis vor Kurzem im Libanon jetzt gerade im Krieg kurz davor noch in Israel und Palästina.

00:55:25: ich habe Israel verlassen an dem Abend bevor der aktuelle Krieg losging war dann kurz in München und jetzt eben zwei Wochen im Libananon.

00:55:34: Und ich hab das auch zu meinen Freunden gesagt.

00:55:38: ich habe in all den Jahren schon viel erlebt so ich war in vielen Orten und ich glaube ich habe mir auch dickes Verhältling so bescheuert.

00:55:44: aber Ich kann damit umgehen, mit dem Gefühl von Bedrohung.

00:55:48: Es geht ja ehrlicherweise auch und zum einen geht es darum ich treffe Menschen die dramatisiert sind, die Schlimmes erlebt haben.

00:55:54: Ich sehe Leid und gleichzeitig begebe ich mich auch selber in Situationen, die im schlimmsten Fall auch Blöd für mich enden können.

00:56:02: Und bei dieser Reise im Libanon hatte wirklich Angst Und das sage ich sonst eigentlich nie in Interviews.

00:56:08: Weil wenn die Leute immer fragen, ja sie sind so mutig haben Sie denn keine Angst?

00:56:12: Versuche ich zu einem mal sagen Ja, ich finde die Menschen vor Ort ehrlicherweise mutiger als mich.

00:56:17: und zu dem Thema Angst sag' ich's immer, ja nee Ich hab Respekt weil Angst würde leben.

00:56:23: und dieses Mal jetzt im lieberen und nun im Krieg hatte ich wirklich diverse Momente wo ich einfach Angst hatte.

00:56:30: Du warst ja in unterschiedlichen Ländern auch hin.

00:56:34: Was ist die prägenste Erinnerung, die du von dort mitgenommen hast?

00:56:37: Also ich war mehrfach in Syrien.

00:56:39: Ich habe mich da einmal als Nicht-Journalistin, ich würde schon fast sagen eingeschleust unter Assad.

00:56:45: Da war ich dann humanitäre Helferin und hab damals ohne Erlaubnis gearbeitet und habe damals versucht nachzuzeichnen wie es den Kindern geht im Krieg und bin dann nach dem Asad gefallen ist wieder dorthin.

00:57:00: Und ich habe so viel erlebt, aber das eigentlich bezeichnende ist und das glaube ich zeigt auch wie naiv man dann auch manchmal ist oder was man sich so gerne vorstellen würde wie da eine Realität ist.

00:57:09: mein großer Traum war dann diese Menschen wieder zu treffen.

00:57:13: Wie geht's den Kindern heute?

00:57:15: Was machen sie?

00:57:16: Wie waren die Jahre unter Assad, haben Sie Hoffnung für neue Syrien nachdem Assad weg ist.

00:57:22: Na ja und die Realität war das natürlich völlig abstrus war die Vorstellung weil in Syrien es so viel Flucht auch innerhalb des Landes gab und gibt.

00:57:31: verstehst du also da wo die damals waren dann sind die schon wieder fünf mal geflohen sind überhaupt noch im Land sind irgendwo anders.

00:57:37: das heißt ich habe sie nicht gefunden.

00:57:39: Ich werde nie vergessen.

00:57:40: als ich damals in den Libanon gezogen bin hat eine Kollegin von mir einen Journalistin Zu mir gesagt, ja, war so viert.

00:57:46: Wie fühlst du dich denn?

00:57:47: Wenn du jeden Tag Kopftuch tragen musst?

00:57:49: und ich war so, hey!

00:57:50: Ich muss doch im Libanon kein Kopftucht tragen.

00:57:53: Im Libanonen sind, weiß ich nicht wie viel Prozent Christen also ein riesiger Anteil der Bevölkerung ist dort christlich.

00:58:00: Und da gibt es glaube ich schon mal so eine sehr vereingemeinende Blick auf die Region und man versteht den Unterschied politisch zwischen Saudi Arabien und Libanonn zum Beispiel gar nicht.

00:58:10: Und auch das versuche mit meiner Arbeit da ein bisschen mehr zu sensibilisieren und aufzuklären, dass es eben alles nicht so schwarz-weiß ist.

00:58:19: Wenn du in Afghanistan oder Syrien unterwegs bist, bist du denn damit Kopftuch unterwegs?

00:58:23: Nee also wo ich wirklich durchwägen Kopftucht auf hatte, ist Afghanistan unter den Taliban.

00:58:30: Richtig

00:58:30: mit Shadow und so?

00:58:31: Nee einfach normaler Hitchab, normales Kopftuchen.

00:58:34: Gesichtfrei.

00:58:35: Gesicht frei exakt in Afghanistan, in Syrien Nee, also es kommt vielleicht immer so ein bisschen auf den Kontext drauf an.

00:58:42: Mit wem spreche ich da?

00:58:44: Bin nicht in einem kleinen Dorf ist das sehr religiös.

00:58:48: Ich glaube dass wenn man aber auch eine kulturelle Sensibilität mitbringt Dass man dann einfach je nach Situationen guckt Aber ich finde das auch okay übrigens.

00:58:57: Also wenn ich mich im Rahmen bewege wo das angebracht ist Dann finde ich es auch ok als Europäerin da einen Kopftuch zu tragen Aber dass ich wirklich das Gefühl hatte, ich muss es jetzt tun.

00:59:09: Das hatte ich in meinem Leben genau einmal und das war ein Afghanistan oder den Taliban?

00:59:13: Genau!

00:59:14: Ich würde jetzt im Vatikan auch nicht mit einem Spaghetti-Trägerkleid reingehen und genauso wenig geht man in eine Synagoge.

00:59:22: da haben Männer eine Kopfbedeckung Und das respektiert man einfach.

00:59:27: Unterschiedliche Religionen haben das unterschiedlich, da wo Frauen unterdrückt werden kann man das natürlich verurteilen oder nicht in Ordnung finden.

00:59:34: ich finde das auch ganz schrecklich für die Frauen vor Ort.

00:59:37: aber wenn du als Journalistin dahingehst dann trägst Du einfach das Kopftuch um deine Arbeit zu machen.

00:59:43: Wie reißt Du denn dort?

00:59:45: Mit der Bahn oder fliegst du?

00:59:47: Oder fährst du am Auto.

00:59:48: Das kommt auch wirklich drauf an, bei Afghanistan war es damals so, dass manche eine erinnert sich per Stunde diese schrecklichen Bilder vom Flughafen.

00:59:56: Schrecklicher!

00:59:57: Genau

00:59:58: und dieser Flughaf war ja dann nicht mehr intakt.

01:00:00: also man konnte nicht nach Afghanistan fliegen.

01:00:02: wir sind da damals über Ostbekistan Kreuz- und Quer und mit dem Auto nach Kabul.

01:00:08: das ist ein bisschen komplizierter.

01:00:10: in die Ukraine bin ich zum Beispiel schon mal mit dem Zug gefahren.

01:00:13: Also es kommt wirklich immer ein bisschen auf die Situation, auf das Land und die Region an.

01:00:18: Aber in dem Land dann eigentlich immer mit dem Auto.

01:00:21: Und im besten Fall hat man dann – wir nennen das im Journalismus Stringer oder Fixer – das sind lokale... Menschen, ohne die unsere Arbeit ehrlicherweise gar nicht möglich wäre.

01:00:32: Wie zum Beispiel im Westjordanland der junge Palästinenser, der mich in das Lager geführt hat – ohne den würde es gar nicht gehen!

01:00:38: Die helfen dann mit Übersetzungen und Kontakten auch mit Sicherheit oder mit Transport.

01:00:45: Und ohne diese lokalen Experten könnten wir westlichen Journalisten unseren Job gar nicht machen in diesen grießen Regionen.

01:00:54: Und mir ist es wichtig zu erwähnen, weil oft ist das ja so.

01:00:57: Man kommt dann zurück und man kriegt den ganzen Fame in Anführungsstrichen vor.

01:01:00: Guck mal!

01:01:01: Man ist da noch vor der Kamera, hat eine Doku gemacht und man ist so mutig und ist im Krieg.

01:01:06: gut aber ohne die Leute verortet wäre ich erstmal gar nix und würde jetzt hier auch nicht mit meiner Doku oder meinem Text stehen.

01:01:13: Wenn du nach Hause kommst hast du manchmal so eine Anpassungsschwierigkeit?

01:01:17: Eine sehr große Anpassungsschwierigkeit... Also ich spüre ganz oft eine große Entfremdung im Sinne von, wenn ich so auf die gesellschaftlichen Debatten gucke.

01:01:28: Was zur Hölle?

01:01:29: Worüber redet ihr hier?

01:01:31: Teilweise aber auch ne Entfremmlung in privaten Kontext.

01:01:35: Man sieht und erlebt Dinge, die kann man nur bedingt teilen.

01:01:38: Man kann das erzählen.

01:01:39: Aber es geht teilweise so tief was man da erlebt, was man fühlt.

01:01:43: Und ist dann ein bisschen einsam damit.

01:01:49: Und noch auf einer weiteren Ebene, als ich jetzt zum Beispiel aus dem Libanon zurückkam.

01:01:54: Also ich habe nach der Ukraine eine PTBS-Diagnostiziert bekommen also eine posttraumatische Belastungsstimmung.

01:02:00: das klingt jetzt total schlimm ist eigentlich okay haben auch viele Kollegen und Kolleginnen von mir.

01:02:05: diese Regionen sind.

01:02:06: das heißt Ich hab sehr empfindlich auf Geräusche reagiert und es war jetzt viel besser.

01:02:12: Und durch diese Reise jetzt im Libanon und diesem ständigen Ausgesetztsein von Drohnen, Geräuschen, von Bombardierungen hat sich das noch mal ... Jetzt wieder sehr verschlimmert.

01:02:22: Das heißt dann auch so eine Art Anpassungsstörung, dass ich erst wieder verstehen muss.

01:02:26: okay?

01:02:26: Diese Geräusche die ich hier höre sind keine Gefahr für mein Körper weil darum geht es ja am Ende.

01:02:32: Ja Ich kann es nur erahnen ne?

01:02:33: Ich habe das so noch nie erlebt aber das kann ich mir sehr gut vorstellen.

01:02:37: und trotzdem du hast es ja geschrieben Du warst der längere Zeit nach Ost Reporterin für RTL hat das eine ganz spannende, ganz tolle eigene Sendung.

01:02:46: Hashtag why die Sendungen was du das Gesicht heißt?

01:02:49: Du hast gearbeitet im Auftrag einer Produktionsfirma im Auftakt eines Senders und hast aber viel auch gemacht aus eigenem Antrieb.

01:02:57: Ich

01:02:57: habe damals ich mein Voluntariat abgebrochen hab hatte ja das Gefühl nicht nur ich will das vor Ort sehen und verstehen und in diese griechischen Lager gehen sondern Irgendwas stimmt ja auch nicht, wie wir darüber sprechen.

01:03:08: Das ist irgendwie... das ist nicht richtig und ich habe schon das Gefühl dass sehr vieles ungerechtes so ein blödes Wort.

01:03:16: aber ich glaube du weißt was ich meine?

01:03:17: Nicht richtig ist oder nur einseitig ist oder Fassatsstücke noch mehr beleuchtet werden müssen oder Perspektiven noch mit reingepackt werden Und ich glaube mich treibt an diese Lücken zu füllen und darüber aufzuklären.

01:03:32: Und ich will nicht sagen, den Menschen Gesicht geben weil dafür brauchen sie keine Sophia Meier die haben schon Gesicht.

01:03:37: Die haben auch eine Stimme ja?

01:03:39: Ich finde das immer ganz schlimm dieses Menschen eine Stümme geben hier haben ihre Stimme.

01:03:43: Ich habe nur das Privileg

01:03:44: zuhören zu können

01:03:45: uns sie weiter tragen zu dürfen

01:03:47: und dass ist wichtig.

01:03:49: Jeder entscheidet ja, mit wem unterhalte ich mich.

01:03:51: Wem gebe ich in meinem Leben Raum?

01:03:53: im Privatleben und dem Berufsleben?

01:03:55: Wenn man immer sich wegduckt da wo es vielleicht ein bisschen kompliziert werden könnte dann werden manche Menschen niemals gehört werden können weil keiner sich der Aufgabe annimmt über diese Sichtweise zu berichten.

01:04:09: Und das hat uns jetzt auch angetrieben um's zu treffen heute.

01:04:12: Ja

01:04:14: Das war sehr schön mit dir.

01:04:16: Danke schön Sophia.

01:04:17: Es ist kein einfaches Gespräch, muss ich wirklich sagen.

01:04:20: Weil ... Ich möchte niemandem ungerecht werden.

01:04:24: Also weißte, ich möchte den Menschen gerecht werden.

01:04:26: Ich möchte versöhnen.

01:04:29: Das ist eigentlich das, warum man auch spricht ja?

01:04:32: Wie könnte eine Lösung sein?

01:04:34: Wie könnten die Menschen mehr Gehör finden, die für eine Versöhnung sich engagieren und nicht die, die alles auseinandertreiben?

01:04:43: Und deswegen haben wir uns jetzt unterhalten!

01:04:45: Ich glaube, das Gespräch kann auf jeden Fall einen kleinen Beitrag mehr zu leisten.

01:04:48: Zumindest würde ich mir das sehr wünschen!

01:04:50: Ja, würde ich mich auch sehr wünschen.

01:04:51: Ich danke dir für alles was du machst und dass du heute hier bist.

01:04:54: Danke dir von Herzen für die Einladung!

01:04:57: Danke dir!

01:04:58: Schön, dass ihr bis zum Ende zugehört habt und ich appelliere nochmal sehr, sehr doll an euer Vertrauen zum einen darauf, dass Ihr das Herz auf dem rechten Fleck habt Und es ist immer richtig, sich einem Thema zu nähern mit Warmherzigkeit.

01:05:18: Egal worum es geht, egal welche Menschen es

01:05:22: betrifft

01:05:23: aber mit offenen Augen, offenen Ohren und einem offenen Herzen Themen zu begegnen ist immer wichtig.

01:05:30: Mir möchte ich jetzt heute dazu gar nicht sagen.

01:05:32: Ich danke euch fürs Zuhören und wünsche euch noch einen schönen Tag!