Warum Frauen töten (mit Miri, 44, Urteil: lebenslang) - Die Gefängnis-Folge #66

Shownotes

Was passiert im Leben einer Frau, dass sie einen Menschen tötet? In dieser Folge hört ihr die Geschichte von Miri, 44 Jahre alt. Sie ist wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden, denn sie hat ihren damaligen Mann umgebracht. Seit knapp 7 Jahren ist sie inhaftiert in der JVA Ossendorf in Köln. Wie ist es möglich, dass sie zu so etwas fähig war? Wie schafft sie es, mit der Schuld zu leben? Miri erzählt von Albträumen, die sie immer wieder quälen. Manchmal ist im Traum sie es selbst, die umgebracht wird. Ich bin mit vielen Fragen angekommen und habe beim Zuhören einige Tränen vergossen. Miri ist in Polen geboren, mit Hoffnungen nach Deutschland gekommen. Ihre Kindheit war von Armut und Missbrauch geprägt. In Deutschland hat sie mit 18 als Prostituierte gearbeitet, damals kaum Deutsch gesprochen und dann einen Mann geheiratet, der sie tyrannisiert hat. Vor Angst hat sie sich regelmäßig in die Hose gemacht. Und trotzdem sagt, sie: Ich sitze zu recht hier. Ich habe einem Menschen das Leben genommen. Wie sieht das Leben hinter Gittern wirklich aus? Wir relativieren nicht die Tat und auch nicht das Strafmaß. Es geht vor allem ums Zuhören.

Schreibt mir gerne, was ihr fühlt und denkt. Gerne hier oder per Mail an hey@mwiemarlene.de oder auf Instagram.

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Transkript anzeigen

00:00:00: Diese Podcastpeuge, die ihr jetzt hört, ist an einem besonderen Ort entstanden, nämlich im Gefängnis.

00:00:06: Ich habe mich schon viele, viele Jahre immer mal wieder gefragt, wie ist das Leben im Gefängnis, im Knast, ganz besonders für Frauen.

00:00:14: Es sitzen ja im Vergleich zu Männern extrem wenig Frauen überhaupt im Gefängnis und lebenslang verurteilt, noch viel weniger.

00:00:23: Und ich spreche heute mit einer Frau, die jemanden umgebracht hat, nämlich ihren Partner.

00:00:28: Unser Gast heißt Mary.

00:00:29: Sie ist vierundvierzig Jahre, sitzt seit knapp sieben Jahren in der JVA Ossendorf in Köln und die sagt, das ist auch richtig so.

00:00:38: Sie ist mit achtzehn nach Deutschland gekommen, hatte damals ganz viel Hoffnung, dass sie ein besseres Leben haben wird und hat dann als Prostituierte gearbeitet.

00:00:47: Auch darüber erzählt sie, wie das überhaupt gekommen ist, wie das für sie war.

00:00:51: Und da sind viele Dinge passiert.

00:00:52: Irgendwann hat sie einen Mann geheiratet, der auch ein Freier mal war.

00:00:56: Und dieser Mann hat sie ... Tyrannisiert, das kann man auf jeden Fall sagen.

00:01:01: Es wird in dem Podcast nicht darum gehen, ein Gerichtsurteil anzuzweifeln.

00:01:06: Wir relativieren die Strafe nicht und auch nicht die Tat.

00:01:09: Mir geht es um das Leben dieser Frau.

00:01:11: Was ist Ihre Geschichte?

00:01:12: Was ist passiert, dass sie so eine Tat überhaupt begehen konnte?

00:01:16: Und wie sieht das Leben im Gefängnis aus?

00:01:18: Also, wisst ihr das?

00:01:19: Für mich war das immer so ein Mysterium und ich war immer neugierig.

00:01:22: Ich wollte das immer mal erleben und das durfte ich jetzt mit meinem kleinen Team.

00:01:26: Waren wir dort angemeldet, das war alles vorbereitet.

00:01:29: Und dann war das wirklich ein sehr, sehr, sehr besonderer Tag und eine sehr besondere Begegnung.

00:01:35: Wie sieht der Alltag aus im Knast?

00:01:37: Freundschaften, Bedürfnisse, Zärtlichkeit?

00:01:41: Wovon träumt sie, wenn sie in vielen Jahren wieder rauskommt?

00:01:45: Und was ist in ihrem Leben verlaufen, dass das möglich war, dass sie das tun konnte?

00:01:52: Frauen töten übrigens extrem selten im Vergleich zu Männern.

00:01:55: Und wenn, dann töten Frauen fast ausschließlich ihre Partner oder Ex-Partner oder ihre eigenen Kinder.

00:02:03: Und hinter diesen Taten steht meistens eine wie auch immer geartete Notsituation.

00:02:07: Das trifft auch auf Mirigs Geschichte zu.

00:02:10: Das werdet ihr jetzt hören.

00:02:12: Normalerweise zeichne ich übrigens ein Intro wie dieses direkt im Anschluss an die Podcastaufzeichnung auf, so noch ganz im Schwung der Begegnungen und des Gesprächs.

00:02:21: Das habe ich diesmal aber gar nicht gemacht und auch gar nicht tun können, zum einen weil wir dort natürlich für diesen Zeitraum-Gast waren in der JVA und dann schon aus Sicherheitsgründen wieder das Gebäude verlassen mussten.

00:02:33: Zum anderen aber auch, weil ich wirklich selber erst mal sacken lassen wollte, was ich da erlebt habe und dann in Ruhe den Rahmen schaffen wollte.

00:02:41: Und deswegen zeichne ich jetzt hier direkt vor der Veröffentlichung das Intro auf.

00:02:46: Ihr lernt jetzt Mire kennen und sie wollte, dass ich sie bei ihrem Spitznamen nenne, ohne Nachnamen.

00:02:51: Sie ist seit sechseinhalb Jahren in der JVA Ossendorf in Köln und wir sitzen in einem Gemeinschaftsraum, in dem die inhaftierten selbst Aktivitäten planen können.

00:03:01: Da sind lauter Fotos und da sind ganz viele Promis und Comedians schon aufgetreten und während des gesamten Gesprächs sind Justizbeamte dabei.

00:03:11: Im Vorgespräch hatte ich die Miri und auch die Beamten gefragt, ob es irgendwas gibt, was ich beachten sollte im Gespräch und der Kollege sagte, gehen sie einfach ganz normal mit ihr um.

00:03:21: Das ist für Inhaftierte was sehr, sehr schön ist, wenn sie merken, dass sie einfach normal behandelt werden.

00:03:28: Schön, dass ihr da seid, viel Freude beim Zuhängen.

00:03:32: Willkommen im Podcast MW Marlene.

00:03:34: Wie gelingt das Leben?

00:03:36: Diese Frage stelle ich mir oft.

00:03:38: Mein Name ist Marlene Lufen und gemeinsam mit euch suche ich nach Antworten.

00:03:43: Danke, dass du das zulässt, dass ich hier sein darf.

00:03:46: Sehr gern.

00:03:46: Du bist wie lange jetzt hier schon drin?

00:03:48: Jetzt bin ich aktuell im siebten Jahr.

00:03:50: Also in der JVW, in Haftier.

00:03:51: In dem

00:03:51: siebten Jahr.

00:03:52: Sieben Jahre warst du auch kein einstes Mal draußen?

00:03:55: Tatsächlich war ich.

00:03:57: Es gibt seit drei Jahren etwa ein neues Gesetz, wo die auch... Ich habe Leben in Englisch.

00:04:04: Das heißt, bei mir gelten schon besondere Regeln, wo man ab vierten Jahr hat Anspruch auf mindestens ein begleitete Ausgang bzw.

00:04:13: Ausführung zu erhalten Lebensdurchdurchgelt.

00:04:17: Und seit drei Jahren nämlich Teil.

00:04:19: Wir haben das zu Beginn zweimal gemacht, das Jahr darauf.

00:04:23: Einmal und jetzt zweimal wieder.

00:04:26: Was hast du da gemacht?

00:04:27: Ich war jetzt vor kurzem, gerade vor zwei Wochen war ich draußen.

00:04:30: Da sind wir drei Stunden durch Köln gelatscht, bei drei Grad und strummen Regen.

00:04:37: Und dann sind wir einschließlich ein paar Kleinigkeiten einkaufen gewiesen, nach Hause gefahren.

00:04:43: Wer ist wir?

00:04:44: Also ich, mein Mann, plus zwei begeisterte Beamte.

00:04:48: Alle in Zivildienste, als ob nie was gewesen wäre.

00:04:52: Man geht halt mit Freunden in den Moment raus.

00:04:54: solche Bildzeit.

00:04:56: Wichtig bei ist, dass sie sehen, also die sind nicht vor mir, die sind auch nicht neben mir.

00:05:00: Die Bedienstete, die laufen immer so verdeckt hinter mir, um zu sehen, wie ich mich verhalte.

00:05:05: Ob ich an der Kasse nervös werde, ob ich mit Geld wieder umgehen kann, ob ich selbst noch nicht Rechnungen zeige, ob ich eine Entscheidung beim Schuhkauf zum Beispiel ertreffen kann oder wenn ich etwas nicht finde, ob ich zu den Verkäufen hingehe und selbstständig nach Frage.

00:05:21: Und wo in Cafeteria selbst schon nicht Kaffee bestellen, die ihr was bezahlen.

00:05:26: Bandkarte ziehen.

00:05:28: Und das ist alles was Gutes, wenn du das alleine machst.

00:05:30: Ja, ja, ja.

00:05:31: Also

00:05:31: das ist okay.

00:05:32: Und vor allem, wie man sich in der menschenfreien Menge verhält.

00:05:34: Weil hier kriegt man komische Marken.

00:05:36: Hier kriegt man echt komische Marken.

00:05:38: Man bleibt vor jedes Stür stehen.

00:05:40: Weil das ist halt hier Standard.

00:05:42: Wir haben keine Schlüssel.

00:05:43: Wir haben nur ein Schlüssel, das ist unsere Zellenschlüssel.

00:05:46: Ansonsten bleibt man halt wie der Depp überstehen.

00:05:50: Und zu Beginn kann es ja auch draußen passieren, dass man automatisch stehen bleibt, weil man wartet.

00:05:54: Ja, ja, man wartet, bis jemand kommt und die Tür öffnet.

00:05:58: Oder wenn du einkaufen bist und die Menschen siehst, man hat einen drang guten Tag zu sagen, weil das kennt man hier.

00:06:04: Man begegnet tagtäglich ungelogen, zweihundert Menschen in Flur.

00:06:09: Man kennt alle, ob es Bedienstete sind oder Inhaftete und man grüßt auch alle.

00:06:14: Manchmal aus Hüpflichkeit, aber manchmal, weil man das auch ummüchte.

00:06:17: Und man hat auch den gleichen Tragen draußen, jedem Hallo zu sagen.

00:06:21: Also es ist schon ein echt komisches Gefühl bei.

00:06:23: Wie war das erste Mal, als du dann nach ungefähr drei Jahren, nach vier Jahren zum allerersten Mal raus tuftest?

00:06:30: Das immer mit der Bahn auch nach Hause gefahren.

00:06:33: Erst mal nach Köln-Haubahnhof.

00:06:36: Meine erste Reaktion war, als wir ausgestiegen sind.

00:06:39: Hier stinkt es genauso wie damals.

00:06:41: Der gleiche Dreck wie damals, der gleiche Lautstärke wie damals.

00:06:44: Und so war ich sofort da, als ob ich nie weggewiesen wäre.

00:06:47: Denn auch der Weg nach Hause, das war auch so.

00:06:50: Okay, die Bäume sind noch da, die Brücke ist noch da, die Häuser stehen noch da.

00:06:54: Also irgendwie, als ob die vier Jahre gar nicht vorhanden wäre, als ob ich gerade von der Arbeit nach Hause fahre, solche Gefühle.

00:07:02: Es hat sich extrem normal angefühlt.

00:07:05: Ich war da.

00:07:06: Man hätte mich überall hinstecken können, gehe zu deiner Arbeit.

00:07:09: Ich hätte genau gewusst, was ich zu tun habe, wie die Menschen heißen.

00:07:13: Man war nie weg.

00:07:13: War

00:07:14: das dann schwer wieder zurück?

00:07:15: Oder ist es schwer dann wieder zurück, in die auch voranzukommen?

00:07:18: Das ist ähnlich wie... Man wacht aus einem schönen Traum und man geht nicht mehr da rein.

00:07:24: Die Realität ist ja schon brutal.

00:07:26: Für einen Außenstehenden.

00:07:28: Total krass und vorstellbar.

00:07:30: Und es nimmt immer wieder einen aufs Neue mit.

00:07:32: Aber man sieht auch jedes Mal aufs Neue andere Dinge.

00:07:37: Sie schauen sich ein Film, erst mal ist die Regie, man guckt sich die Figurchen an, was da so abläuft.

00:07:43: Man schaut sich noch mal den gleichen Film, sie registrieren komplett andere Sachen.

00:07:47: Zum dritten Mal noch was komplett anderes.

00:07:50: Und das ist so eine Step-by-Step-Auffachphase.

00:07:53: Total schwer zu beschreiben, wenn man es selber nicht erliebt.

00:07:56: Du hast gerade in Einsamkeit angesprochen.

00:07:58: Was sind die einsamen Momente hier?

00:08:00: Bei mir mittlerweile nicht mehr so viel.

00:08:02: Zu Beginn sehr viel.

00:08:04: Weil man ist mit sich selbst nicht im Klaren.

00:08:07: Ich bin mein Feind.

00:08:08: Solange ich mit mir selbst keinen Weg finde, wie ich meine Denkart verändere, wie ich mich selbst verändere, wie, wie weit ich im Stande mich anzupassen, es ist ein Kampf.

00:08:20: Ich bin mein Freund, sonst keine andere.

00:08:22: Man gibt erstmal alle Schuld, aber am Ende bin ich alleine Schuld.

00:08:25: Der fährt einfach reinste Achterbahn.

00:08:27: Der lässt keine guten Gedanken zu.

00:08:30: Man hat sehr viele böse Gedanken, aber auch Sachen gegen sich selbst.

00:08:35: Also so ist das mit meinem Fall.

00:08:37: Es gibt keine Menschen Schuld, außer mir selbst.

00:08:39: Und bis man aus der Phase raus ist, das dauert lange.

00:08:43: Und solange man in der Phase hängt, ist man gerade mal sehr viel mit Einsamkeit zu tun, weil ich nicht klar mit mir selbst komme.

00:08:49: Wenn man mir sie selbst klarkommt, ich bin nicht alleine.

00:08:52: Ich hab mich.

00:08:53: Aber das, weil der Kopf das zulässt.

00:08:55: Weil der Kopf langsam aber sicher im Reinen ist.

00:08:58: Ich hab keine Angst von meinen Gedanken.

00:08:59: Ich hab keine Angst vor dem, was geschehen ist.

00:09:02: Ich hab keine Angst vor der Vergangenheit.

00:09:03: Aber so lange wie die Angst besteht, das ist ein dauerhaftes Kampf.

00:09:07: Wie lange hast du gebraucht, um dahin zu kommen, wie du es jetzt beschreibst?

00:09:11: Ich hab eine supertolle Psychologin.

00:09:13: Wirklich, die ist Gold wert.

00:09:16: Und die hat mich dahin gebracht.

00:09:18: Also wir machen Traumtherapie plus Dataufbereitung.

00:09:22: Der hat mir tatsächlich gezeigt, dass es auch anders im Leben geht.

00:09:26: Egal wie schwer die Vergangenheit war, gibt es immer noch schöne Seiten, dass das Leben nicht vorbei ist.

00:09:33: Aber wenn man hier ist, das Leben geht da draußen weiter und wartet auf einen.

00:09:37: Ich habe natürlich den Luxus auch, dass meine ganze Familie, Nachbarschaft, alle sind da.

00:09:44: Keiner hat sich abgewendet, kein einziger Mensch.

00:09:46: Ihr Umgekehrt, die verstehen, was ich getan habe, wieso ich es getan habe.

00:09:52: Und die sind eher ein bisschen sauer auf das Ganze, was ich nicht unbedingt will, weil ich habe es getan, was ich getan habe.

00:10:01: Ich habe eine Menschenleben genommen und das ist Fakt.

00:10:04: Man kann es nicht ruhig nicht machen.

00:10:06: Deswegen, man kann sagen, ja, ich hatte Grund dafür, aber es gibt keine Grund, um eine Menschen das Leben zu nehmen.

00:10:13: Das ist Punkt und Fakt.

00:10:14: Ich habe es getan und deswegen bin ich auch hier.

00:10:16: Ich könnte mir vorstellen, dass das heilsam ist, wenn man so denkt, weil wenn du nicht so denken würdest, würde jeder Tag, würdest du dich ja gegen alles sträuben, was hier passiert?

00:10:26: Das ist das.

00:10:28: Ja, und deswegen sage ich, ich bin mit mir im Rhein, ich suche nicht Schuldigen, da ich selber Schuld bin.

00:10:32: Wie war das, als du hier reingekommen bist?

00:10:34: Wie war da dein Gefühl?

00:10:35: Es war für mich falsches Film.

00:10:37: Ich wollte es nicht glauben.

00:10:38: Es war für mich komplett falsches Film.

00:10:40: Also als ich verhaftet worden bin, habe ich schon Teilgestelltenes im Auto geliefert, weil ich habe anscheinend vom Koffer auf die Rische befreigewartet.

00:10:48: Keiner hat die freigestellt.

00:10:49: Und der Polizeibeamte, also das war Kriminalbeamte, hat die freigestellt.

00:10:54: Und da habe ich immer gefragt, wieviel Zeit haben Sie?

00:10:57: Und welche Frage hat er gestellt?

00:10:58: Waren Sie es?

00:10:59: Haben Sie den und den getötet?

00:11:03: Oder was wissen wir?

00:11:05: Also schon sehr konkret, schon sehr konkret.

00:11:08: Und das war so wie Wasser, also man den Hand aufmachen würde und nicht mehr zuschließt.

00:11:13: Es ging sieben, acht Stunden, habe ich nur gerettet, nur gerettet, nur gerettet.

00:11:17: Also eigentlich alles, was ich angestaut hatte, ist raus.

00:11:21: Wollte raus.

00:11:22: Wollte auch raus.

00:11:24: Es musste raus, weil auf Dauer wäre es auch nicht gut gegangen.

00:11:28: Weil ich bin zum Schluss richtige Woche Holika geworden.

00:11:32: Mein Mann hat mir gesagt, so machen wir das Handy aus, geh endlich mal schlafen, tun wir das.

00:11:37: Versuch mein Schlaf extrem zu kontrollieren, weil sobald ich geschlafen habe, bin ich wieder da gewesen, wo alle geschah.

00:11:43: Und das wollte ich nicht zulassen.

00:11:45: Da meine Träume zu realistisch waren und ich habe noch nicht gelernt gehabt, die zu kontrollieren.

00:11:51: Das habe ich mir mit der Zeit beigebracht, dass ich komplette Kontrolle über jegliches Traum von mir habe.

00:11:56: Wenn ich schon einen Traum habe, bleib ich drin.

00:11:59: Wenn ich schlechten Traum habe, beeinflüße ich so weit, dass ich mir sage, meinen Traum, du träumst, du warst jetzt auf und du gehst da nicht mehr rein.

00:12:07: Sekunde später bin ich verwacht.

00:12:08: Also die Kontrolle die habe ich und die hatte ich damals nicht gehabt.

00:12:11: Also musste ich mich zwangsweise wachhalten, dass ich auf zwei, maximal drei Stunden die Nacht schlafen kann.

00:12:20: Wie viele Jahre nach dieser Tat warst du noch?

00:12:26: Draußen und niemand wusste.

00:12:27: Elf Jahre.

00:12:28: Hast du mit dem Wissen gelebt?

00:12:31: Genau, mit der Schuld gelebt.

00:12:32: Mit

00:12:32: der Schuld gelebt?

00:12:33: Genau, genau.

00:12:35: Und mit dem Ungewiss.

00:12:36: Und immer mit der Sorge, irgendwann wirst du sowieso entdeckt?

00:12:41: Bei jeglicher Entscheidung, bei jeglicher Entscheidung, was wir getroffen haben, als mein Mann mich gefragt hatte, ob wir wie heiraten wollen, das war als erster Gedanke.

00:12:50: Wusste er das von Anfang an?

00:12:51: Nein,

00:12:52: nein, das war mein erster Gedanke, sage ich ja.

00:12:55: Zwei Jahre später besuchte er mich gefängnis oder?

00:12:58: Nein.

00:12:59: Also das war ununterbrochen präsent.

00:13:01: Egal welche Entscheidung ich getroffen, also wir zu treffen hatten, als ihr Leute, das war der erste Gedanke, den ich in den Kopf hatte.

00:13:08: Was ist wenn, was ist wenn, was ist wenn?

00:13:09: Und irgendwann habe ich gesagt, für mich selbst genießt es einfach und guckt was passiert.

00:13:15: Es gab ja noch einen anderen Partner von dir, der dir wie auch immer geholfen hat, zumindest... die Leiche zu entsorgen.

00:13:24: Das heißt, ein Mitwisser hattest du ja auf jeden Fall, hattest du Sorge, dass der irgendwie dann damit rauskommt?

00:13:29: Soweit habe ich gar nicht gedacht.

00:13:31: Ganz eilig.

00:13:31: Soweit habe ich gar nicht gedacht.

00:13:32: Und dein Mann, du hast dich dann neu verliebt, bist auch heute noch mit ihm verheiratet?

00:13:37: Ja, seit vierzehn Jahren.

00:13:38: Wir hatten am zehnten Dezember jetzt Hochzeistag, vierzehnten Hochzeistag.

00:13:43: Das heißt, seit sieben, bald sieben Jahren, wo sechs und ein halb Jahren, bis seine Frau im Knast.

00:13:49: Und wie oft seht ihr euch?

00:13:50: So

00:13:50: wie es geht.

00:13:51: So, wie es geht.

00:13:52: Wir haben jetzt gerade vor wenigen Minuten noch kurz telefoniert, weil wir haben sterbefallende Familie.

00:13:59: Und heute war die Beisetzung.

00:14:01: Deswegen haben wir kurz angerufen, meinen Unterstützung auszusprechen.

00:14:04: Also alles, was machbar ist, alles, was möglich ist, jeglicher Art an Besuch, an Telefonat und wir nehmen alles wahr.

00:14:11: Ist ja

00:14:11: interessant.

00:14:12: Das heißt, also ich durfte, wir durften mussten ja jetzt alles ablegen, als wir hier reingekommen sind.

00:14:16: Ich habe kein Handy, du hast auch kein Handy.

00:14:18: Was ich nicht vermisse.

00:14:19: Weißt du, na ja, das glaube ich dir.

00:14:20: Das ist was, ja fast.

00:14:21: Manche Leute bezahlen viel Geld dafür, dass sie sich mal von dieser wahnsinnigen Welt draußen abkoppeln.

00:14:29: Gibt es da auch irgendwas, was wohltut, ist hier drin?

00:14:31: Die Ruhe, auf jeden Fall.

00:14:33: Man hat mehr Zeit für sie selbst.

00:14:35: Man ist sonst in einem ganzen Familien- und Alltagstrudel unterwegs, wo man sie selbst tatsächlich vergisst.

00:14:42: Also Handy.

00:14:44: Das war das Erste, wo ich happy war, dass es weg war.

00:14:47: Diese ununterbrochene Erreichbarkeit, Neugier, was passiert, dann, ich mag Medien nicht vermutlich wegen meiner Tat, weil ich immer im Hintergrund hatte, es wird unwahrmal rauskommen.

00:14:59: Also ich war noch nie so Medienpräsent.

00:15:01: Ich habe auch selten nicht mit Facebook und sowas alles zu tun gehabt.

00:15:04: Für mich war Medien war irgendwie um ein Spiel zu spielen, mehr auch nicht.

00:15:09: Das war für mich Wohltat.

00:15:11: Einfach nicht diesen Drang zu haben, ständig erreichbar zu sein und nie wirklich entspannt zu sein.

00:15:16: Und wenn du telefonierst mit deinem Mann, dann hast du hier ein Festnetz, was du nutzen kannst.

00:15:21: Musst du dich dafür anmelden oder wie läuft es?

00:15:23: Über Anträge oder wir telefonieren hier mal ganz schnell, dass der Mann auch beruhigt ist und dass du deinen Beileid noch mal aussprechen kannst, weil sonst hätte ich das heute im Haus gemacht.

00:15:31: Okay.

00:15:32: Aber dann tut man auch alles eintragen, dann wird das in die Zahlstelle irgendwie du gehe und dann wird das ververrechnet.

00:15:39: Also ein Zentbeträgefläch, ein Euro oder so was.

00:15:42: Und das heißt, als ihr euch kennengelernt habt, hast du, wie du es gerade beschrieben hast, was dein Mann nicht gesagt, was du getan hast oder was in deinem Leben passiert ist.

00:15:52: Wann hast du es ihm gesagt?

00:15:54: Hörfgefühl.

00:15:55: Als die Polizei vor der Tür stand?

00:15:57: Als sie vor der Tür stand und sie haben das Hörfgefühl mitgebracht, dann habe ich das meinem Mann in die Hand gegeben und dann bin ich schon abgeführt worden.

00:16:05: Und das war das letzte Bild.

00:16:08: Wie war seine Reaktion?

00:16:10: Weiß ich nicht.

00:16:11: Wie war nicht mehr da?

00:16:12: Ja, schon durch die Tür.

00:16:14: Wann hast du mit ihm drüber sprechen können?

00:16:16: Dadurch, dass ich spezielle Beschränkungen hatte, haben wir nie wirklich drüber uns unterhalten können.

00:16:22: Ich habe aber meinen Restanwälten, ich habe die entbunden.

00:16:26: von der Schweigepflicht, dass egal, was ich sage, wo ich Punkt oder Komma setze, soll er über alles möglich informiert sein.

00:16:33: Egal, was in der Ermittlungsakte steht, egal welche Bilder, egal was, soll über alles informiert sein, über jegliches Gespräch.

00:16:40: Also die haben kein Bereich Schweigepflicht, gegenüber meinem Mann.

00:16:43: Praktisch hatte alles über die Akten und über die Rechtsanwälter fahren, weil wir kamen nicht wirklich dazu, uns... drüber auswillig zu unterhalten.

00:16:52: Er war bei jedem Gericht, bei jedem Verhandlungstag dabei.

00:16:56: Also er hat schon alles live mitgemacht.

00:16:58: Ist jetzt mir alles genug gesagt worden.

00:17:00: Durch die ganze Akte, durch das ganze Verfahren.

00:17:04: Was will man noch den ganzen zuvögeln?

00:17:07: Du musst ja das Bedürfnis gehabt haben, ihm zu erklären, warum du es ihm noch nicht gesagt hast.

00:17:11: Wann hattest du da die Gelegenheit zu?

00:17:13: oder eher von seiner Seite auch?

00:17:15: Seine Wut oder seine Enttäuschung oder was auch immer.

00:17:18: Mit Wissenheit heißt es fünf Jahre plus.

00:17:20: Okay.

00:17:21: Deswegen war es das reinste Schutzfunktion im Gegenum.

00:17:23: Und das hat er verstanden?

00:17:24: Ja.

00:17:24: Und wann habt ihr euch darüber unterhalten?

00:17:26: Auch

00:17:26: nicht wirklich.

00:17:27: Das ist ja irre.

00:17:28: Weil die wenige Zeit, die wir haben, uns zu unterhalten, da sprechen wir eh über Alltag, über die tägliche Probleme, nicht so viel über die Vergangenheit.

00:17:36: Die Vergangenheit ist schwarze, weiß geschrieben.

00:17:39: Zum Beispiel mein Mann, der hat auch sehr viel... Also wir wohnen noch in dem gleichen Ort, wo die Tat geschah.

00:17:45: Das heißt, als Opfer war... sehr, sehr dort bekannt.

00:17:49: Viele Leute kannte ihn und viele sind Sorge auf mein Mann zugegangen und meinte, um Gottes Willen, wieso deine Frau?

00:17:57: und so weiter und so fort?

00:17:58: Wieso die Miri?

00:17:59: Und der hat das nicht bei Safa dient.

00:18:01: Wir wussten doch alle, wie er ist.

00:18:04: Also das hat er ununterbrochen gehört zu Beginn.

00:18:07: Und da hat mein Mann gesagt, er ist richtig sauer zum Teil geworden.

00:18:10: Ihr wusste jetzt alle.

00:18:11: Und keiner hat etwas gemacht.

00:18:13: Keiner hat etwas gesagt.

00:18:14: Ihr wartet auf O-Teil.

00:18:16: Denn kommt ihr jetzt auf mich so, um etwas zu sagen.

00:18:19: Wo wart ihr?

00:18:20: Wo wart ihr die ganze Uhr?

00:18:21: Wo wart ihr die ganze Verhandlung?

00:18:23: Hat sich keiner getraut.

00:18:24: Als das Ganze schon gerissen war.

00:18:27: Ja, es tut uns leid und wir wussten um das und das.

00:18:30: Wir kannten ihm.

00:18:31: Aber vorher keine.

00:18:32: Das gleiche war beim Gericht.

00:18:34: Die, welche Ahnung hatten, gestanden einen Männern zwei Meter groß.

00:18:38: Hundertfünfzig Kilo schwer.

00:18:39: Wir waren klein, die Mäuschen haben nun und begibst.

00:18:41: Keiner war im Stande zu sagen so und so und so und so und so, obwohl die es wussten.

00:18:46: Was für ein aggressiver, gewalttätiger Mensch dein Ex-Mann war oder wie würdest du ihn bezeichnen?

00:18:53: Also viele Schimpfe oder habe ich gar nicht drauf.

00:18:57: Ich habe noch letztens mit meinen Psychologen drüber gesprochen, tatsächlich am Freitag und sie meinte, so ein böse Mensch ist ihr selten begegnet.

00:19:06: So ein bösartiger Mensch ist ihr selten begegnet, wie er es war.

00:19:09: Wenn das nur meine Geschichte wäre, dann sage ich mal, okay, was hinter den Wänden passiert?

00:19:14: Wer will das beurteilen?

00:19:16: Keiner.

00:19:16: Das ist etwas, was unter sich auch geschieht.

00:19:19: Ich kann viel erzählen, um besser aus der Geschichte rauszukommen.

00:19:22: Aber wenn da sechs oder acht Frauen dazukommen und das Gleiche bestätigen, teilweise noch mehr dazufügeln, wo man sagt, oh je, um Gottes Willen, wie geht das nur?

00:19:34: Alles ist vorhanden gewesen, von psychischem Missbrauch, von sällischem Missbrauch, von Zwangsprüstitution, körperliche Gewalt, Psychoterror, Gefühlsabhängigkeit, Abressung, mehrere Totschlagsversuche.

00:19:48: Also alles ist vorhanden gewesen.

00:19:50: Also komplette Bandbreite, die man will.

00:19:52: Also ich kann nichts ausschließen.

00:19:53: Frauen erleben sowas in der Ehe, und aus dem Außenstehende können es in den seltensten Fällen sehen, nachfühlen, erkennen überhaupt.

00:20:01: Man schämt sich.

00:20:01: Man schämt sich.

00:20:02: Er war auch ein Freier von dir.

00:20:04: Das heißt, ihr habt euch kennengelernt.

00:20:05: Du hast wahrscheinlich nicht geahnt, was das für ein Mensch auch noch ist oder welche Seite er auch noch hat.

00:20:10: Wenn man es erahnen würde, dass man einem schwer gestörten Menschen vor sich stehen hat, der einem das Leben zur Hölle macht, der einem unter der Erde bringen will, dann laufen sie weg, dann laufen sie weg.

00:20:22: Dann gehen sie auf keinerlei Gespräche rein.

00:20:24: Aber sie wissen es nicht.

00:20:26: Er war schon sehr gewieft.

00:20:27: Er war auch in mehreren Kliniken.

00:20:29: Also mit Psychologie kannte er sich.

00:20:31: Perfekt aus.

00:20:32: Also, ich glaube, meine Psychologen, die hätte sie von ihm was lernen können.

00:20:36: Also, der war schon sehr explizit darauf gedrillt, Frauen in schwere Momenten zu fassen.

00:20:42: Das war alles noch planbar gewesen.

00:20:44: Auch später, die seinen Verhalten, das war alles noch planbar.

00:20:47: Bis und wann man keine Türme gab für uns Frauen.

00:20:50: Das heißt, der hat dich erwischt oder durchgängelt in der Zeit, wo du einfach nicht personas stark warst?

00:20:57: Ich war gerade in einer Frischzeit, ich war gerade frisch getrennt.

00:21:01: Da war ich etwa zwanzwanzig Jahre, gerade vier Jahre in Deutschland gewesen.

00:21:05: Dementsprechend auch die Kenntnisse.

00:21:08: Mit zwanzwanzig, würde ich mal sagen, ist man immer noch ein Kind.

00:21:10: Jung, blöd, versteht kaum was.

00:21:13: Da warst du schon in Deutschland?

00:21:14: Ja.

00:21:14: Du bist mit mit mit mit mit mit mit mit mit mit mit mit mit mit mit mit mit mit

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00:21:27: mit mit mit mit.

00:21:27: Ich bin in ziemlich arme Gegend aufgewachsen.

00:21:30: Meine Eltern mussten drei Mädels durchfuttern.

00:21:33: Fürs Leben war es genug, aber nicht um etwas sich zu leisten.

00:21:38: Es war Zeit, wo im Polenkamp Perspektiven waren.

00:21:41: Entweder hast du geackert wie ein Buffel, um etwas zu erreichen oder bist aus guter Familie gekommen.

00:21:46: Und wenn nicht, dann hast du Pech gehabt.

00:21:48: Dann bist du unscheinbar.

00:21:52: Unsichtbar.

00:21:53: Man geht arbeiten und zu überleben.

00:21:55: Und ich bin auf einem Part mit meinen guten Freundinamern von einem Türsteher angesprochen worden.

00:22:00: Wie wär's mit Arbeit in Deutschland?

00:22:02: Ja, und so kam es dazu.

00:22:03: Und in deiner Kindheit sind ja auch du hast ja auch in deiner Kindheitssituation erlebt, die schon gewaltvoll waren.

00:22:09: Ja, aber nicht meine, also nicht meine Elternseite, sondern von einem gewissen, spezialen Onkel.

00:22:16: Wie alt warst du da?

00:22:17: Das war von achtem bis zum dreizehn Lebensjahr.

00:22:20: Mit Reizung bin ich schon wieder mal schwanger geworden.

00:22:23: Wollte ich mich selbst wegmachen, so blöd gesagt.

00:22:26: Also

00:22:27: Abtreibung selber machen?

00:22:28: Ich wollte mich umbringen.

00:22:29: Ich wollte mich umbringen.

00:22:31: Wir waren schon selber gehabt mit Kräutern.

00:22:33: Also man kann auch mit Grundzeug jede Menge verursachen.

00:22:37: Okay.

00:22:37: Das habe ich nämlich angenommen, was eigentlich mich tun sollte, aber am Ende habe ich anscheinend Fehlgeburt angeleitet.

00:22:44: Und wussten das deine Eltern?

00:22:45: Nein,

00:22:46: die wissen es bis heute nicht.

00:22:49: Meine Schwestern, die haben es erst während der Verhandlung gefahren.

00:22:54: Bisher habe ich geschrieben.

00:22:55: Also das ist auch nicht mein Ziel, das und wie beeinflussen zu wollen oder mich da keine Ahnung als Opfer schienstellen oder als unschutzlehmchen.

00:23:05: Es ist wie es ist.

00:23:06: Ich habe es akzeptiert.

00:23:07: Ich habe das in mein Leben eingebaut.

00:23:10: Wir haben uns damit arrangiert, ich und meine Familie.

00:23:13: Und das ist so, wie es ist.

00:23:15: Und lebenslang heißt noch nicht, dass ich komplett von der Oberfläche verschwinde.

00:23:20: Und solange alle da sind, alle an mich glauben und alle zu mir halten, ist doch, ich bin zwar inhaftiert, aber irgendwie doch nicht.

00:23:26: Ich bin immer noch im Leben.

00:23:28: Also du kennst ja wahrscheinlich die Geschichten deiner Mitinhaftierten.

00:23:31: Ist es was Außergewöhnliches, dass die Familie und das Umfeld, die Nachbarn, die Freunde, deinen Mann?

00:23:37: so zu jemandem hält, der so eine Tat begangen hat und so lange im Knast sitzt.

00:23:41: Leider ja, leider ja.

00:23:43: Schon bei den kleinsten Strafen, die zum Beispiel ein Jahr, zwei oder drei Jahre, geht alles meistens kaputt.

00:23:50: Es ist wirklich, ich bin schon fast eine Ausnahme.

00:23:53: Es sind wirklich ganz, ganz, ganz wenige Leute, die auch vollständige Unterstützung der Familie hoffen können und die auch tatsächlich kriegen.

00:24:00: Wenn, dann ist das manchmal nur ein Performer für guten Vorzugsplan.

00:24:04: Aber wo tatsächlich die Leute dahinter stehen und zu einem Halt ist ja sehr, sehr, sehr, sehr leide Gottes.

00:24:10: Warum glaubst du, stehen alle so hinter dir?

00:24:12: Mein Mann fliegt immer zu sagen, Susse, lass die Leute erst mal dich kennenlernen.

00:24:17: Das sagt auch immer für die JV, hier in der JV war.

00:24:20: Von Beginn an hatte das gesagt.

00:24:23: Susse, lass die Leute erst mal ein paar Tage mit dir verbringen, egal ob es die Bedienstete sind, ob es die Mitinhaftete sind.

00:24:30: Die sollen dich erst mal kennenlernen und dann wirst du schon sehen.

00:24:33: Und so ist es meistens gewesen, dass ich eigentlich nirgends eingeeckt bin, ein sehr friedensuchender Mensch bin, schon ein familiär aufgestellt bin und sehr große Hilfsbereicherzeige, egal ob es um die JVA an sich geht, auf meine Arbeitsstelle oder den Inhafteten liegen.

00:24:51: Und so war ich auch zu Hause.

00:24:54: Das haben alle anscheinend an mir... zu schätzen.

00:24:57: Das ist ja ziemlich bloß, ich selbst zu löben.

00:25:00: Das

00:25:00: ist genau richtig, Mary.

00:25:02: Das ist genau richtig.

00:25:05: Das darf man.

00:25:06: Man darf das.

00:25:07: Und das machst du dazu zurecht.

00:25:08: Also du bist offensichtlich dieser Mensch, so nehme ich dich auch wahr.

00:25:12: Und dann darfst du das raussagen.

00:25:13: Ist doch schön.

00:25:13: Wir waren gerade im stehen geblieben bei diesem ja bestimmt sehr, sehr schrecklichen Moment in deiner Kindheit, wo du schwanger warst.

00:25:23: Und wusstest, hast du das Gefühl, deinen Eltern hättest du es nicht erzählen können?

00:25:28: Du hättest nicht einfach so, wie wir das heute vielleicht sagen, ich muss eine Klinik oder...

00:25:33: Es ist ähnliche Vorgehensweise wie von meinem Opfer, wenn es einem eingeredet wird, damals, dass mich der Teufel persönlich holt, dass ich Kind vom Teufel bin, dass ich selber dran schuld bin, dass er eigentlich unschuldig ist, dann sagst du gar nichts.

00:25:50: Und wie wenn man so streng katholisch erzogen wird, passt es auch gar nicht so richtig in das Leben rein.

00:25:57: Und mit acht Jahren, also Polen war schon sehr gehemmt, wenn es um Sexualität geht.

00:26:03: Ich habe mit zwölf Jahren es dazu nicht registriert, worum es da die ganze Jahr ging, woher wusste ich es nicht.

00:26:09: Was der getan hat?

00:26:10: Nein, ich wusste es nicht.

00:26:11: Ich wusste nicht, was da los war.

00:26:14: Es war und was, aber ich wusste, dass es nicht richtig ist.

00:26:17: Es hat sich auch nicht richtig angefühlt.

00:26:19: Also vom Kopf her war es klar, es ist falsch, es ist falsch.

00:26:23: Aber ich wusste nicht, was es war.

00:26:24: Erst bei der sexuellen Aufklärung, die genau eine Stunde in der Schule gedauert hatte, ist es mir klar geworden, was der Jahre passiert ist.

00:26:31: Vorher war es mir nicht so bewusst.

00:26:34: Und was einem nicht bewusst ist... Ja, das sollte man noch nicht so bearbeiten, als wenn es einem und wenn man klar wird, das darf nicht.

00:26:41: Das darf nicht, das ist nicht richtig, das ist verkehrt, das ist krank.

00:26:44: Und das hättest du damals einfach wie hunderttausend andere Frauen auch, Mädchen, hast dich getraut, deinen Eltern zu erzählen, was du auch gemacht

00:26:53: hast?

00:26:53: Nein, nein, nein.

00:26:53: Wenn ich was Falsches mache, wird Mama böse, Papa wird böse, ist ja klar.

00:26:57: Und in dem Fall etwas genauso.

00:26:59: Die werden böse auf mich sein.

00:27:01: Heute habe ich schon sehr, sehr häufig mit Frauen gesprochen.

00:27:04: Ich habe auch schon mal eine Reportage gemacht vor vielen Jahren über Frauen, die in ihrer Kindheit extrem Missbrauch erlebt haben, Schreckliches erlebt haben.

00:27:14: Immer ist die Sorge, und Sie haben es auch oft genug erlebt, dass Sie dann beschuldigt werden, dass Sie in irgendeiner Weise irgendwas gemacht haben, was den Täter gereizt hat.

00:27:23: Und deswegen ist er nicht schuld.

00:27:24: Das ist schon sehr verrückt in unserer Gesellschaft.

00:27:26: Es wird auch einem so eingeredet.

00:27:27: Es wird auch einem so ein.

00:27:29: Man ist halt das Böse selbst.

00:27:30: So, und dann bist du irgendwann nach Deutschland gekommen.

00:27:33: Auch um dich davon zu befreien von dem?

00:27:36: Definitiv, definitiv.

00:27:37: Also für mich, Polen habe ich noch nie als Heimatland empfunden.

00:27:41: Das war mein Geburtsort.

00:27:43: Da bin ich geboren, da bin ich zur Welt gekommen, da bin ich groß geworden und weg damit.

00:27:46: Mehr Beziehung habe ich zu Polen.

00:27:48: Ich mache eine ganze Familie lebt dort.

00:27:50: Es ist für mich aktuell Urlaubsort, aber keine Heimat.

00:27:54: Für mich ist das keine Heimat, weil ich habe den Bezug dazu nicht.

00:27:57: Dafür ist da zu viel Hass.

00:28:00: Wenn du jetzt nochmal in die Zeit denkst, wo du nach Deutschland gekommen bist, also für mich ist es unvorstellbar.

00:28:07: dass man ins Bordel geht und da sein Geld verdient.

00:28:09: Ich sage es einfach so aus meiner Perspektive und damit will ich nicht so tun, als wenn du Steine gründer hättest oder dass es was Schlechtes ist.

00:28:16: Aber ich stelle mir jetzt diesen jungen, schlauen Menschen vor, der du damals auch schon gewesen bist sicherlich, mit der Geschichte.

00:28:24: Also das heißt, dein Körper ist schon mal, hat schon mal die Grenzüberschreitung über Jahre erlebt natürlich.

00:28:30: Das steckt ja sicherlich auch in dir.

00:28:32: Aber wie kamst du dann in dieses Modell?

00:28:35: Ich bin mal gefragt worden und es ist tatsächlich bei vielen Leuten, vielen Frauen, Männern wahrscheinlich auch, die sexuelle Missbrauch in Kindheit erlebt haben, die haben ganz andere Bindungen dazu.

00:28:48: Für uns ist das etwas, es hat nichts mehr mit Intimität zu tun.

00:28:52: Es hat nichts mehr damit zu tun, es ist nur für den Ehepartner oder für den allgemein für den Partner vorbehalten.

00:28:58: Den Stellungswert hat das nicht mehr.

00:29:01: Somit ist das ja Tätigkeit.

00:29:03: Meine Psychologin ist ein bisschen anderer Meinung, gebe ich ihr Volk um Recht, sie hat mir auch Augen geöffnet, aber nach und nach verstehe ich das ja.

00:29:12: Aber damals hatte es für mich keine Bedeutung, ob ich Sex für Lauch habe mit jemandem oder fürs Geld.

00:29:20: Es ist nur eine Tätigkeit, sodass ich keine Bindung habe.

00:29:22: In den Borddellen, wo ich gearbeitet habe, da habe ich nämlich sehr viele Mädels kennengelernt.

00:29:28: die mit mir als Schicksal teilten und die genau die gleiche Einstellung hatten.

00:29:31: Es war sowieso egal, weil der Körper hatte sich schon abgekoppelt.

00:29:36: Ja,

00:29:37: der Körper gehört nicht zu dem Kopf.

00:29:39: Also man kann beides separat voneinander führen.

00:29:42: Also nicht unbedingt die Sprache Gefühle dafür.

00:29:44: Ne, brauchen wir nicht.

00:29:46: Und die Damen tatsächlich sehr viel, sehr viel.

00:29:49: Achtzig Prozent, die mir das nicht kennengelernt habe, haben einen aussexuellen Missbrauch.

00:29:54: Erlebt und deswegen sind wir auch in dem Modal gelandet.

00:29:57: Okay.

00:29:58: Und dann sitzt man an der Bar und dann kommen Typen rein und sprechen dich dann an und gehen aufs Zimmer, wenn ihr

00:30:05: euch genauso ist.

00:30:07: Wenn es ein bisschen koppelt, wenn es ein bisschen funktioniert.

00:30:10: Konntest du dann auch sagen, wenn du das nicht wolltest, also wenn da irgendwie so ein unangenehmer Typ reinkommt, wo du schon gedacht hast, ja, den kann man das, kann man sagen, ich möchte gerne nicht.

00:30:19: Zu Beginn hatte ich den Luxus.

00:30:21: Ich hatte tatsächlich zum Glück auch.

00:30:24: Immer anständige Häuser gab, wo ich gearbeitet habe.

00:30:27: Das waren meistens kleine Privatadressen, wo normales Publikum kam.

00:30:32: Als wir zusammen kamen, habe ich schnell die Adresse verlassen, wo wir uns kennengelernt haben und dann lief es ein bisschen anders.

00:30:39: Weil uns ging es ums Geld.

00:30:41: Also ich war eigentlich das Sparschwanzchen, das Geld nach Hause bringt.

00:30:45: Der Mann, der später deinen Opfer wurde?

00:30:46: Genau, genau.

00:30:47: Der hat auch selber Anzeigen geschrieben, auf einmal war ich da der Wot und für SM, für alle mögliche Praktiken zu haben.

00:30:55: Wovon ich gar nichts wusste, weil die Sprache hat noch nicht so weit gereicht.

00:30:58: Ach, Wahnsinn.

00:30:59: Das heißt, der hatte ich im Podell kennengelernt und wollte dann, dass du da nicht mehr weiter arbeitest, als ihr zusammengekommen seid?

00:31:06: Nicht in dem, aber in einem anderen.

00:31:08: In einem anderen.

00:31:09: Wo ganz andere Sachen angeboten wurden.

00:31:11: Dank ihm.

00:31:12: Wo die aus dem, sagen wir mal, den Soft-Standard-Sex schon ganz andere Praktiken raus geworden sind.

00:31:20: Was schon zum Teil ins SM-Bereich ging, wo ich sagte, aber heute man kann keine Ahnung, weil man hatte ein Pensum, den man nach Hause bringen sollte an Geld.

00:31:31: Also du hattest dich da vorher auch schon mal ein freier Verlieb, ne?

00:31:34: Du warst auch mit dem verheiratet, ne?

00:31:36: Was spürt man dann?

00:31:37: oder was ist das?

00:31:38: Ist es die Hoffnung, dass man nochmal zusammen neues Leben anfängt?

00:31:41: oder wie beschreibt es mal, wie sich das abspielt, dass du dann auch von einmal Gefühle entwickelt.

00:31:46: Man hat kein Privatleben.

00:31:48: Das Privatleben ist auch der Job.

00:31:51: Das heißt, es verschmelzt alles völlig.

00:31:54: Man geht nach Hause, man hat irgendwo ein Zimmer oder eine Wohnung, wo man schläft und morgens früh fährt man wieder hin.

00:32:00: abends oder in der Nacht kommen nach Hause, schlafen, morgens fährt man wieder hin.

00:32:04: Somit ist das alles.

00:32:06: Also das ist in dem Moment die Familie, das Privatleben, das ist alles.

00:32:09: Gibt es keine Unterschiede mehr.

00:32:11: Ich denke mir, es lag auch tatsächlich an dem Alter.

00:32:16: Weil jetzt mit vierundvierzig, da würde ich denjenigen im Vogel zeigen und ihm auf die Tür weisen, wie er rausgehen soll.

00:32:24: Aber mit ich nix verstehen, kann man ja nicht allzu viel ausrichten.

00:32:28: Und das Geld, was du verdient hast, hast du an deine Familie nach Polen geschickt, zumindest ein Anteil davon?

00:32:34: Oder stimmt das nicht?

00:32:36: Wie lustig.

00:32:38: Also meine Familie war sehr happy darüber.

00:32:41: Ich weiß, Sie haben versucht meine Familie ein bisschen durch den Dreck zu sehen, wo ich richtig sauer geworden bin.

00:32:46: Meine Familie war tatsächlich nicht allzu gut finanziell aufgestellt, als wir drei Mädels nun zu Hause waren.

00:32:52: Nachdem wir drei von zu Hause weg waren, konnte meine Eltern für sich sein.

00:32:58: Jeder ist eigenes Leben nachgegangen, jeder hat sein eigenes Leben gemeistert, meistert bis heute.

00:33:04: Wir arbeiten alle, ich und meine Geschwister, meine Schwage und ganze Familie.

00:33:08: Also auf mein Geld waren die noch nie angewiesen.

00:33:11: Es gab ein, zwei Zwischenfälle, wo es mal ein Sturm war, wo es innerhalb von wenigen Stunden meinen Eltern den Dach abgerissen hatte.

00:33:20: Es musste schnell Geld her.

00:33:21: Und wer hätte das haben können?

00:33:23: Ich.

00:33:24: In solchen Sachen.

00:33:25: Oder in einer Krankheitsfall, wo mein Vater musste und durch Privatärzte behandelt werden.

00:33:31: Ist ja irre, ne?

00:33:32: Dann hast du Sachen in der Zeit.

00:33:33: Nee, er hat

00:33:33: sich geiles Leben auf meine Kosten gemacht.

00:33:36: Dein

00:33:36: Partner.

00:33:37: Jo, der hat das ganze Geld gehabt.

00:33:40: Dann warst du irgendwann mit dem zusammen.

00:33:43: Hast du den am Anfang geliebt?

00:33:45: Wenn ich die Liebe von damals vergleiche, mit der Liebe von heute, nö, habe ich nicht.

00:33:51: Aber wenn ich bedenke, was eine zwanzigjährige als Liebe empfindet, wahrscheinlich, ja.

00:34:00: Vielleicht habe ich auch im gewissen Sinne Hilfe gesucht wegen der Trennung, wie soll ich mein Mietwader kündigen, mit meinen schlechten Deutschkenntnissen, wie soll ich überhaupt klarkommen?

00:34:12: und so weiter.

00:34:12: Das waren eh die Sorgen.

00:34:14: Und so kam es irgendwie alles zusammen.

00:34:18: Deine Familie in Polen wusste nicht, was du beruflich machst in Deutschland.

00:34:21: Die wussten

00:34:21: gar nicht.

00:34:22: Und das hat er auch als Druckmittel genommen?

00:34:24: Ja, unter anderem.

00:34:26: Das heißt,

00:34:26: wie muss ich mir das Leben vorstellen, was hast du dann mit diesem Mann erlebt?

00:34:31: Er hat dich in ein anderes Bordell gebracht.

00:34:33: Du hast da auf einmal, musstest Dinge tun mit Freiern, die du nicht tun wolltest?

00:34:40: Man ist der Massen vor Angst gefressen, dass die Welt nicht groß genug ist, um wegzulaufen.

00:34:46: Man hat das Gefühl, es gibt nichts, was er nicht weiß, es gibt nichts, was er nicht sieht.

00:34:51: Man wird komplett von der Umwelt und von... Allen, die einem wichtig sind, auch von den Freunden und Bekannten, distanziert.

00:34:58: Alles wird komplett von einem abgeschöpft.

00:35:01: Es existiert nur sein, er und sein Leben und sein, seine Selfkompanen.

00:35:06: Die restliche Welt existiert nicht.

00:35:08: Es wird auch einem vermittelt.

00:35:10: Es gibt nichts, wo er mich nicht findet.

00:35:13: Es gibt nichts.

00:35:14: Also Druckmittel hat, dass ... Ja, der war schon richtig gut.

00:35:18: Ich muss sagen, der war schon richtig gut, um das richtig in einem ... so zu vertiefen, dass man wirklich so glaubt,

00:35:25: dass du eben ausgeliefert bist.

00:35:27: Ja.

00:35:28: Und zum Schluss, ja, der hat auch, also auch mir angedroht, dass er denn sagt, meine Familie, womit habe ich zum Beispiel den Tag bezahlt?

00:35:35: oder gesundet von meinem Vater.

00:35:37: Aber das war eher, dass meine Familie was antut.

00:35:41: Das war nicht die Worte, wo er nicht Angst hatte.

00:35:43: Weil wer wird mir sagen, das, was er mir antut, würde er denn nicht antun?

00:35:48: Weil man hat die Vorstellung, dass er Gott allmächtig ist.

00:35:53: Es gibt nichts, der sich gegen ihm stellt.

00:35:56: Egal, ob man da zwanzigmal hinstellt, breit wie in Schwenke, die schaffen ihm nicht.

00:36:00: Er schafft alle.

00:36:01: Und so ein Gefühl hat man.

00:36:04: Und dann wird es noch einem durch Aggression, durch Geschichten von den Ex-Freunden und von seinem Bruder, der damals auch seine Frau ermordet hatte, noch mehr verdeutlich.

00:36:16: Deines Mannes damals hat seine Frau umgebracht.

00:36:18: Ja, hat dreieinhalb Jahre dafür gekriegt, dreieinhalb Jahre hat ihn in Köln gesessen, gute Führung gesendet lassen.

00:36:24: Und das ist perfekte Druckmittel.

00:36:27: Wieso soll er das Gleiche nicht machen?

00:36:28: Das heißt, er hat ihn mit Mord gedroht?

00:36:31: Nee, er drohnt ja, aber nie konkret ausgesprochen.

00:36:35: Also, dass er das macht, er sagt, für die Vier- und halb Jahre ist das Kapalier.

00:36:39: Habe ich am einen eine Arschbacke abgesetzt.

00:36:42: Also, dass er das tatsächlich tun würde.

00:36:44: Es ist jetzt auch schon fünf Jahre bis heute, bis heute schon ein paar Jahre her.

00:36:50: Ich weiß nicht, ob die Wortwahl so direkt gefallen ist.

00:36:53: Aber man hat unausgesprochen, ist teilweise schlimmer als das, was man ausspricht, weil man fühlt das.

00:36:58: Du hast eben gesagt, du hattest Angst, dass er deinen Eltern das antut, was er dir angetan hat.

00:37:03: Genau.

00:37:04: Was hat er dir angetan?

00:37:05: Ich

00:37:05: habe hier so schöne Narbe auf sich stören.

00:37:07: Da habe ich ein Klo-Deckel gegen den Kopf geschlagen gekriegt.

00:37:11: Ein paar Narben am Körper.

00:37:14: wegen kleinen Messerstiche, dass ich weiß, wie er sich anfühlen kann.

00:37:19: Wenn ich mit ihm eintaufeln gegangen bin, habe ich mir in die Hose gemacht vor Stress.

00:37:24: Und wenn und aber, da sind so viele Sachen.

00:37:27: Er fand mich zum Beispiel ikelhaft, weil ich mir so viele Männer schlafe, aber das ist alles auf seinen Wünschen.

00:37:34: Ich hatte zum Beispiel kein Name, ich war immer... Die arme Mädels in den Job auswählen, das ist ja Beleidigung auch für die, die heißen Prositöater.

00:37:43: Also da habe ich höhliche Respekt für die Mädels, die das machen.

00:37:47: Der hat mich angepriesen bei seinen Self-Komponenten.

00:37:50: Oh, komm, anscheinend Runde Bier auszugeben, gebe ich Runde was anderes aus.

00:37:55: Also, denn andererseits hat er mich überall präsentiert.

00:37:59: Guck mal, was ich hier wäre, ein junges Hund an meiner Seite habe.

00:38:02: Jung, hübsch, nett.

00:38:04: Das versteht zwar nur Bahnhof, aber für gewisse Sachen ist es auf jeden Fall gut.

00:38:09: Ich war schon seine Visiten aushängenschuldkalt.

00:38:11: Und wie hatte mich als Werbung benutzt, obwohl er zwanzig Jahre älter war.

00:38:17: Und wir haben schon sehr, sehr, sehr, sehr komische Sachen in Action gelaufen.

00:38:23: Gegliche Würde, die genommene.

00:38:26: Ja.

00:38:27: Dass man wirklich, wenn ich durchs Dorf bei uns gefahren, mit Fahrrad gefahren bin, guck mal, da ist auch die Nute von dem und dem.

00:38:34: dass man immer gehört.

00:38:36: Was hat es damals mit dir als junge Mädchen gemacht, junger Frau?

00:38:39: Man ist schnell gefahren.

00:38:41: Wenn du sagst, dass du dir in die Hosen gemacht hast vor Angst, hattest du permanent Angst vor diesem Mann, dass er dir was antut?

00:38:48: Also, Magen, Damm, Grippe ist nicht dagegen.

00:38:50: Ich habe von zu Hause bis zur Bahn zwanzig Minuten Fußweg gehabt.

00:38:55: Ich habe es nicht geschafft, dahin zu gehen, an einem Stück.

00:38:58: Ich habe alle Häuser abgeklappt gehabt, weil ich auch Toilette musste, ununterbrochen.

00:39:02: Es hat sonst nicht funktioniert.

00:39:03: Warum bist du nicht abgehauen?

00:39:05: Die Welt ist zu klein.

00:39:06: Es gibt kein Versteck.

00:39:08: Egal, wo es ist, öffnet einer.

00:39:10: Und bevor er sich an meine Familie dran machen sollte, er hat mich doch.

00:39:15: Solange ich da bin, gibt es Ruhe.

00:39:17: Und da ich weiß, was mich erwartet, und ich weiß, und wenn man sich so exzitut, hat man eigentlich ... Man ist sauer geworden, zum Teil, wenn man wieder wach geworden ist über Wochen.

00:39:26: Wieso noch nicht?

00:39:27: Wieso noch nicht?

00:39:27: Wieso nicht jetzt?

00:39:28: Also ich war sauer, dass ich gelebt habe.

00:39:30: Dass du es überlebt hast?

00:39:31: Ja.

00:39:32: Krass.

00:39:32: Aber immerhin besser ich als meine Familie.

00:39:35: Meine Familie ist meine Heilichtung, so wie jetzt mein Mann.

00:39:38: Wann gab es den ersten Gedanken oder in welcher Situation gab es den ersten Gedanken, dass du besser ihm tötest als umgekehrt?

00:39:46: Ich sag ja mal so, wer hat den Gedanken von uns noch nie gehabt?

00:39:49: Also der, der schon was Gewaltmäßiges erlebt hat.

00:39:54: Sag mal schnell, wo ich springe.

00:39:56: Wenn man was Böses im Fernsehen sieht, egal ob es mit Kindern und Erwachsenen hat, wo er gibt mir fünf Minuten mit ihm, das haben wir so oft gesagt und genau den Gedanken hatten wir gehabt.

00:40:05: Von daher, ich würde es ja nicht als konkrete Gedanke bezeichnen, sondern ein Begleitgedanke, denn man hat einen tiefsten emotionalen Ausbruch, weil wer sagt, ich habe es nicht, der löscht.

00:40:16: Also ich würde sagen, Menschen, die selber Angst über ihr Leben haben müssen, die denken sowas.

00:40:21: Die

00:40:21: sowieso.

00:40:21: Ja,

00:40:22: die denken sowas.

00:40:23: oder wenn, wenn ich mir vorstelle, wie jemand tut meinen Kindern was an, dann könnte ich das... Ich habe den Gedanken noch nicht gehabt, weil ich auch noch nicht in solchen Situationen war wie du, Miri.

00:40:34: Aber ich glaube dir, was du sagst, dass man diesen Gedanken hat, wenn man selber Angst um die eigenen, um deine Geschwister, um deine Eltern hatte, und darum, dass er dich umbringt.

00:40:44: Aber letztendlich, ich bin der Meinung, jedes von uns fähig Menschen zu tun, aber nicht jedes fähig ein Apfel zu glauben.

00:40:51: Es sind alles von der Situation.

00:40:52: Geht jemand an deine Kinder, an deine Familie, an dein eigenes Leib, man wehrt sich.

00:40:57: Ist noch die Frage, wie weit.

00:40:59: Wann und wo ist die Grenze, weiß man ja nicht.

00:41:01: Hast du komplett Pech, ein kleines Schubsa und das Ding ist gegessen.

00:41:04: Derjenige, ich vor dir, was habe ich gemacht?

00:41:07: Eigentlich nichts, ich habe nur geschubst.

00:41:09: Oder halt so wie ich, die in einem mehr oder weniger Rausch verfallen ist.

00:41:13: Einerseits ist das ein Bewusstwas man macht, aber andererseits nicht.

00:41:18: Weil da ist so viel Emotion, da ist so viel Hass, was alles aufkommt, die ganze Jahre.

00:41:22: Praktisch das ganze Leben, also auch raus an einem vorbei.

00:41:26: Und der ist nicht nur der, der jetzige da ist, sondern auch meine Vergangenheit.

00:41:30: Der war alles in einem.

00:41:31: Und da gab es keinen zurück mehr.

00:41:33: Und wenn man es nur ins Hass übergegangen und dann, und wenn man sieht man da und sagt, jo, fast.

00:41:38: Ja, das ist ja alles.

00:41:40: Miri, was hast du da getan?

00:41:41: Ja, jetzt wird's.

00:41:43: Ja, jetzt haben wir hier ein Problem.

00:41:46: Du weißt so viel, ich bin mir sicher, dass du das besser weißt als ich, aber Frauen töten ja ganz selten und Frauen töten ihre Partner oder ihre Kinder und beides fast ausschließlich aus einer Art Notsituation, weil sie viel Brutalität und Gewalt erleben.

00:42:02: Und bei Kindern ist es manchmal der erweiterte Suizid oder der auch eine Art Flucht über Forderung, wie auch immer, aber das sind die Gründe.

00:42:09: Es gibt kaum Frauen, die Massenmörderinnen sind oder sowas.

00:42:13: Insofern... Versuche ich mich rein zu versetzen, diese absolute Verzweiflung, in der du warst, in diese Lage und dann praktisch den Gedanken zu haben, den bringe ich um.

00:42:25: Zu dem Moment, ich tue es jetzt wirklich.

00:42:28: Ich besorge mir Dinge, damit ich diesen Riesenkoloss umbringen kann.

00:42:33: Magst du mir erzählen, wie du das gemacht hast?

00:42:36: Hier

00:42:37: bin ich sparser mit meinen Informationen.

00:42:40: Ich schalte mich nach dem Hotel.

00:42:43: taktisch im gründen ich sag mal nur so viel.

00:42:47: es ist eine viel augensituation gewesen und es gibt viele mutmaßungen wie es abgelaufen sein könnte und da sucht man sich gerne einer die am besten zu der restlichen geschichte passt.

00:43:00: aber wie es wirklich gelaufen ist ist nur in meinem kopf.

00:43:04: und da es schwer ist meins ist nachzuweisen also es ist sowieso schwer ist nachzuweisen was unter vier Augen hinter verschlossene Wände passiert.

00:43:14: Lies euch keine Ahnung, achten durch, guckt euch Fernsehsendungen an und nimmt Teil von meiner Geschichte.

00:43:21: und soll man sich selber was dazu reimen.

00:43:23: Ich habe natürlich ein bisschen gelesen, habe auch Aktenzeichen X Y gesehen bzw.

00:43:28: auch den Podcast gehört.

00:43:30: Und mich hat erstaunt, gerade wenn man jetzt weiß, was deine Geschichte mit ihm war, dass du vor Gericht geschwiegen hast.

00:43:36: Du hättest ja theoretisch, so bilde ich es mir ein, auch diese Notsituation beschreiben können.

00:43:43: Aber du hast geschwiegen.

00:43:45: Kannst du dir das heute erklären, warum du es gemacht hast?

00:43:47: Gute Rats und Rests am Helden.

00:43:50: Ich hatte drei Stück.

00:43:51: Und die haben es mir geraten.

00:43:53: Und man hört auf die, weil man denkt, die liegen richtig.

00:43:57: Und ob es richtig oder falsch war, kann man jetzt nicht mehr feststellen.

00:44:00: Es hätte keine Garantie gegeben.

00:44:02: Und da ich zu dem Zeitpunkt extremst emotionale Mensch war, ich habe nicht mal eine selber rausbekommen.

00:44:09: Also wie ich jetzt hier vor dir sitze, das ist eigentlich wirklich Training.

00:44:14: Dank meiner Psychologen sitze ich hier ziemlich aufrichtig.

00:44:18: Ich merke auch, dass Emotionen gehen, aber ich kann die gut kontrollieren.

00:44:22: Wenn ich komplett am Zittern bin.

00:44:24: Aber jetzt kann ich das.

00:44:26: Vor fünf Jahren würde ich hier liegen und nur rumheulen.

00:44:32: Da wäre ich nicht ansprechbar.

00:44:35: Weißt du was?

00:44:35: Und dann gehen wir jetzt aus der Situation auch raus.

00:44:37: Ich respektiere das total.

00:44:38: Und wenn ich eine Sache nicht möchte, dass es dir nach unserem Gespräch schlechter geht.

00:44:42: Also mich nimmt es auch total mit, weil ich nichts relativieren möchte.

00:44:46: Und es ist ganz furchtbar, hier meinen Umgang gebracht zu haben.

00:44:48: Aber es ist auch ganz furchtbar, was du miterlebt hast und durchgemacht hast.

00:44:51: Und das finde ich auch.

00:44:52: Es ist auch in Ordnung, wenn man das auch sieht und auch benennt.

00:44:55: Ja, deswegen möchte ich gewisse Sachen nicht verändern und einfach stehen lassen, wie zum Beispiel den Tatverlauf.

00:45:03: und auch das Ohlteilsprechung.

00:45:06: Ich bin nicht ruhig, ich bin definitiv der Täter.

00:45:08: Ich war lange Zeit Opfer, aber ich bin es schon lange nicht mehr.

00:45:12: Die Opferzeit ist in meinen Augen und in meinen Kopf schon ewig vorbei.

00:45:16: Jetzt bin ich eine gestandene Frau, die weiß, was sie will, die weiß, was sie hat und was sie ist.

00:45:19: Und ich bin hier, ob man sagt zu Recht oder zu Unruhig, weiß ich nicht, doch schon.

00:45:24: Ich habe eine Menschen das Leben genommen und muss dafür bestraft werden.

00:45:28: Und das ist nicht, ich sage das nicht, weil es so schön klingt.

00:45:33: Ich sage es, weil ich selbst davon überzeugt bin.

00:45:35: Nein, da bin ich fest und fest von überzeugt.

00:45:37: Ich habe Straftat begangen und das ist so, wie es ist.

00:45:42: Danke erstmal, dass du mich da mitgenommen hast bis zu dem Punkt.

00:45:45: Jetzt bist du hier.

00:45:46: Ich habe schon wirklich einfach nur auch, weil wir hier in diesem Raum sitzen, ein bisschen mehr begriffen, wie das Leben im Knast ist, aber natürlich trotzdem gar keine Ahnung, gell?

00:45:55: Bist du... in einer etwas gehobteren Rolle, weil du hier schon länger bist und weil du dich gut auskennst und zum Beispiel Gruppenleit ist, die dann schöne Sachen... Plan?

00:46:06: Das

00:46:07: ist eine sehr eigene Frage.

00:46:09: Man kann die nur falsch beantworten.

00:46:12: Was hat das Gehobene?

00:46:13: Ich bin hier schon ein paar Jahre, mich kennen die Bediensteten schon etwas länger.

00:46:18: Die Bediensteten sind sehr gut geschult.

00:46:20: Die haben sehr gute psychologische Vorgaben, dadurch, dass sie mit so einer extremen, breiter Menschungszone haben.

00:46:28: Die sehen auch die familiäre Kontakte, die sehen auch das Leben, was draußen stattfindet.

00:46:33: Und dementsprechend schätzen wir Menschen ein.

00:46:37: Ich habe wirklich das Privileg, dass die mir sehr viel ermöglichen, sehr viel erlauben und mich als Mensch ansehen.

00:46:44: Ich bin hier nicht und eine Nummer.

00:46:47: Ich habe hier einen Namen.

00:46:49: Und das ist für mich sehr viel wert.

00:46:50: Wenn ich in Flur laufe, dass eine Bedienstete sagt, Hallo Frau.

00:46:58: Und das ist für mich ein Kompliment.

00:46:59: Weil ich weiß, die kennen schon Tausende.

00:47:03: Tausende Gefangene.

00:47:04: Und die werden noch Tausende Gefangene kennenlernen.

00:47:06: Aber meinen Namen kennen die ja.

00:47:08: Ich kann es mir teilweise in dessen Namen nicht merken.

00:47:11: Und das ist für mich schon sehr, sehr höheres Kompliment.

00:47:14: Und die Gruppe kommt noch dazu auch, weil wir haben eigentlich mit allen Bereichen zu tun.

00:47:21: Wir haben mit dem Handwerker zu tun.

00:47:23: Wir haben aber auch mit der JVA-Leitung zu tun.

00:47:27: Somit hat man schon gewisse Präsenz.

00:47:29: Aber die Präsenz kann selbst was schädlich auch negativ sein.

00:47:32: Wenn ich mal dafür erlaube, dann ist er auch präsent.

00:47:35: Dann ist das nicht so nur im Haus in der Zelle, wo ich als Männer bei dieser dann nur abkläre.

00:47:41: Also hat Vor- und Nachteile alles.

00:47:43: Hast du mal was gemacht, wo du dann auch für sozusagen die negativen Auswirkungen erlebt hast?

00:47:48: Noch nie.

00:47:49: Ich habe keinen negativen Eintrag, oder?

00:47:52: Nein, eigentlich nicht.

00:47:54: dass wir hier das erste Mal was Negatives.

00:47:56: Aber da frage ich, weil ich gehe auch lieber auf Nummer sicher.

00:47:59: Dafür ist meine Zeit hierzu.

00:48:01: Es ist so wichtig, die Zeit hier so unbeschadet, wie es geht, zu bestehen, da ich auch weitere Pläne habe.

00:48:07: Ich habe auch vor, unwahrmal gelockert zu werden, in der Ausgänge gehen, in den offenen Vorzug gehen, mit Gottes Hilfe, Punkt mit fünfzehn Jahren entlassen zu werden.

00:48:18: Ich bin am Zittern.

00:48:20: Ich kriege die Beine kaum ruhig gehalten.

00:48:23: Ja, aber du sprichst ja...

00:48:25: Das ist...

00:48:26: Schreib ein Buch danach, Miri.

00:48:27: Schreib deinen Buch.

00:48:28: Nein, ich möchte die Geschichte nicht lesen.

00:48:30: Ich möchte alles ruhen und ich suche jetzt einen Weg, um es zu vergessen oder zu verdrängen.

00:48:38: Da bin ich gerade in der Arbeit.

00:48:39: Schön.

00:48:40: Erzähl doch mal ganz kurz nochmal, wir haben schon ein bisschen angefangen wollen, aber wie beginnt der Tag hier?

00:48:45: Bist du alleine in deiner Zelle?

00:48:46: Ja, zum Glück.

00:48:48: Ich habe meine Einzelzelle, die ist etwa zehn Quadratmeter groß.

00:48:52: Eigentlich gemütlich.

00:48:55: Ich hab waschbecken.

00:48:57: Toilette.

00:48:59: Ja, man belacht drüber, aber das ist ja nicht also üblich.

00:49:02: Also hier in der JVA, das ist schon, aber ansonsten nicht wirklich.

00:49:06: Im Filis haben wir viel schlechter.

00:49:08: Also, Arbeiter in China hat schlechter Verhältnis, der Lebensverhältnis hat sich.

00:49:12: Okay.

00:49:13: Also, ich finde die Offmachung von der JVA gar nicht mal schlecht.

00:49:18: Also, ich hab's mir viel schlimmer vorgestellt.

00:49:22: Und bin angenehm, überrascht von dem ganzen Weg.

00:49:25: Also mein Tag beginnt um vier Uhr, dreißig, dann stehe ich auf.

00:49:28: Ich bin immer schon früh auf Stehe gewesen.

00:49:30: Putze ich meine Zelle, mache ich meine Sporteinheit, schreibe an mein Mann und dann bereite ich mich für die Arbeit.

00:49:36: Und meine Arbeit beginnt um sechs Uhr, fünf Uhr, vier Uhr.

00:49:40: Ich mache aktuelle Ausbildung zu Frisösen bei uns im Salon.

00:49:44: Und ja, da tätige ich meine Arbeiten.

00:49:47: Ob es Farben sind, Haare, Föhnen, Waschen, Schneiden, Strähnen, also eigentlich komplettes Programm.

00:49:56: Um elf Uhr, dreißig ist Mittagspause, dann rücken wir wieder ins Haus ein.

00:50:00: Und um zwölf Uhr, fünfundvierzig rücken wir wieder zur Arbeit.

00:50:03: Da sind jetzt viele Zahlen.

00:50:05: Und um halb drei rücken wir wieder ein und dann haben wir von der Arbeit aus feierabend.

00:50:10: Und was kommen für Kunden?

00:50:12: Alle intern?

00:50:13: Oder gibt es auch Menschen, die von außen?

00:50:15: Nein,

00:50:15: alle intern.

00:50:16: Montags haben wir immer Beamtentag.

00:50:18: Dort dürfen Männchen genau wie weibliche Bedienstete sich von uns bedienen lassen.

00:50:24: Egal was das ist, ob es wie gesagt Stränden, Schnitt oder einfach mal Styling ist.

00:50:30: Und ansonsten von Montag bis Donnerstag bedienen wir inhaftierte Frauen.

00:50:36: Ausgenommen freitag, weil da haben wir Schule.

00:50:38: Da kommt nämlich ein Berufslehrer von außerhalb, der uns unterrichtet.

00:50:43: Cool.

00:50:44: Frühstück hast du nicht erzählt.

00:50:45: Nehmt ihr das zusammen ein oder kriegt man da was in seine Zelle?

00:50:50: Wir kriegen Essen an die Zellentüren ausgehändigt.

00:50:52: Auch mittags?

00:50:53: Ach so, wir essen

00:50:54: nicht gemeinsam.

00:50:55: Nein, nein, nein.

00:50:55: Nur die gemeinschen Zellen, aber ansonsten nicht.

00:50:58: Jeder ist für sich.

00:51:00: Okay.

00:51:00: Fehlt ihr das?

00:51:01: Also ich würde meinen, mir würde das fehlen, mit anderen am Tisch zu sitzen und ein bisschen zu quatschen.

00:51:07: Man

00:51:07: hat sich dran gewöhnt, nach so langer Zeit, man gewinnt sich an alles.

00:51:10: Zu Beginn war es schon komisch, da hatte ich auch Fehler gemacht, weil ich habe nämlich die Kontakte gesucht.

00:51:15: Und wenn man da so schon sagt, blöden, blöden, blaue ich aus, habe ich mich tütlich von anderen außen zu lassen, weil man hat nämlich das gesucht, Kontakt zueinander.

00:51:27: Ja, und dann war manchmal schlauer geworden, wenn man keine Ahnung, wie viel Leergeld bezahlt hatte.

00:51:32: Man darf nicht vergessen, wir sind immer noch im Gefängnis, hier sitzen... alle Straftaten, die man sich vorstellen kann.

00:51:40: Und jeder versucht, um wie über die Runden zu kommen.

00:51:42: Und wenn man da ein bisschen naiver ist, dann kann man schnell an den falschen geraten.

00:51:47: Also nicht oppressionsmäßig, nur halt, ja, kannst du mir das vielleicht kaufen?

00:51:51: Sag, kannst du mir das kaufen?

00:51:52: Ah, okay.

00:51:53: Ja, und da ich immer schon ja sage, war ich, ja, klar, natürlich mache ich das.

00:51:59: Was passiert dann, wenn du praktisch Feierabend hast, bist du wieder in deiner Zelle?

00:52:05: Wir haben diverse Sportgruppen, gehen wir zum Sport, oder wie Mittwochs treffen wir uns hier in der KFT, oder halt.

00:52:13: so wie gestern hatten wir Veranstaltungen gehabt, dann gehe ich über Gangslust direkt in die KFT, um Vorbereitungen zu treffen für die Veranstaltung.

00:52:21: Also ich habe eigentlich schon ziemlich viel Beschäftigung.

00:52:23: Und wenn du dann auf deinem Zimmer bist, wie sagst du dann Bescheid, dass du raus möchtest?

00:52:28: oder wirst du auto-march abgeholt, wie läuft da die Kommunikation?

00:52:31: Also meistens werde ich dann abgeholt.

00:52:33: oder wissen die Bedienste schon im Voraus, dass ich gleich abgeholt werde, oder falls ihr es vergessen sollt, dann kann ich auf Lichtruf gehen, um mich nochmal aufmerksam zu machen.

00:52:43: Aber du wirst in deiner Zelle eingeschlossen.

00:52:46: Ja.

00:52:46: Was fehlt dir am meisten hier?

00:52:48: Die Familie, also sowieso Freiheit, ist ja klar, wenn man das hier in komplett nur auf die JVA nimmt.

00:52:55: Ich habe eigentlich alles, um das hier gut zu überstehen, um einigermaßen sogar, ja nicht direkt glücklich zu sein, aber zufrieden zu sein.

00:53:03: Okay.

00:53:04: Wenn ich das alles von draußen in die Aspekte mit reinnehme, ist natürlich klar, gar keine Frage.

00:53:09: Der Mann, die Familie, das Haus, die gewöhnte Umkehrbung, die selbstständige Arbeit, selbstständig schandeln und das ganze alte Leben, was man hatte, das fehlt einem.

00:53:21: Gibt es hier so Freundschaften?

00:53:22: Also hast du eine Freundin hier?

00:53:23: North Freundin.

00:53:26: Die sind aber immer ein bisschen mit Vorsicht zu genießen.

00:53:30: Wir sind alle so unter uns kleine Schauspieler und man tut sich erstmal ein bisschen herantasten.

00:53:36: Dann hängt man entweder ein paar Wochen länger zusammen oder auch nicht.

00:53:41: Oder ist man komplett auf eine oberflächliche Freundschaft aus, wo man sagt, okay, wir gehen ab und zu mal im Hobbyraum oder in die Freistunde, aber mehr auch nicht komplett oberflächlich, wo man gar nicht in das... es ist gar nicht für den Menschen wirklich interessiert.

00:53:57: Weiß man von jedem, was derjenige getan hat?

00:54:00: Erzählt man sich auch nicht?

00:54:02: Es macht schon viel.

00:54:03: Vieles macht Runde.

00:54:04: Danke zum Beispiel WDR.

00:54:07: Oder es hat eins, man guckt auch Nachrichten, die Schlagzeile.

00:54:11: Und dann denkt man sich, okay, den Pulli kennst du ja.

00:54:14: Dann weiß du genau, wer das ist.

00:54:15: Als Beispiel.

00:54:17: Da wird schon mal unverpixelt jemand gezeigt.

00:54:20: Also das ist für uns, das ist unsere Zeitung.

00:54:23: Tele-Tags und halt die Nachrichten.

00:54:26: Und das könnt ihr gucken.

00:54:27: Habt ihr einen Gemeinschaftsraum, wo ihr ferngucken könnt?

00:54:29: Die

00:54:29: haben wir ins Rennen.

00:54:32: Genau, wir dürfen Elektrogeräte behalten.

00:54:34: Ich habe, wie Fernseher, sie war, DVD Player, Radio, CD Player, Kaffee, Maschinen oder Wasserkocher für Glätteisen.

00:54:48: Kommen wir alles uns von der Einkaufsliste kaufen.

00:54:50: Ah, okay, das ist interessant.

00:54:52: Ohne Fernseher wäre das auch schon ziemlich langweilig.

00:54:54: Habt ihr hier, also wenn du sagst, so die Freundschaften sind dann doch oberflächlich, das kommen und gehen ja natürlich auch wahrscheinlich welche, ne?

00:55:00: Das muss man auch abkönnen.

00:55:01: Ist es schlimm, wenn du jemanden weißt, die darf jetzt raus, bei der es die Strafe vorbei?

00:55:07: Es war zu Beginn schlimm.

00:55:09: Aber mittlerweile nicht mehr, weil man sich gar nicht damit befasst.

00:55:12: Man hat sich mit seinem Schicksal abgefunden.

00:55:16: Und mir ist das klar, ich sehe Tausende.

00:55:18: ohne zu vertreiben, die kommen und gehen.

00:55:21: Jeden Tag, einer kommt, einer geht, einer kommt, einer geht.

00:55:23: Und man hat, und wenn man da keinerlei Bindung, man ist sowas von abgestimmt, diesbezirklich, man interessiert aber auch keinem.

00:55:31: Gehst du heute, gehst du morgen, ist mir doch egal.

00:55:34: Ich komme alleine, ich gehe alleine.

00:55:36: Das ist das Motiv tatsächlich von vielen Leuten.

00:55:39: Weil sonst entweder wird einem der Neid fressen.

00:55:42: weil man weiß, okay, sie geht jetzt und ich habe noch acht Jahre vor dem Brust, dann ziehe ich mich selbst in eine Schiene, wo ich nicht hin will.

00:55:49: Das heißt, ich werde depressiv, ich werde wahrscheinlich auch misgutwürdig empfinden, Menschen vielleicht hassen und nee, nee, nee, mag ich nicht, mag ich nicht.

00:56:00: Obwohl die Leute nicht so viel können, würden die meine Wut und meine Enttäuschung zu spüren bekommen, weil ich nicht an dessen Stelle bin und die können ja nichts führen.

00:56:08: Deswegen in solchen, ich komme allein nicht gerne hin, fertig aus.

00:56:11: Die Leute kommen, die können, die Leute gehen.

00:56:14: Also man brüllt ab und war mal.

00:56:15: Man kriegt das nicht mehr mit.

00:56:17: Also wenn man natürlich vielleicht die Familie und vor allem diesen Partner hat, so wie du, dann stelle ich mir das machbar vor.

00:56:23: Ansonsten wird man ja verrückt eigentlich ohne Sozialkontakte.

00:56:27: Also am Ende müsst ihr ja hier irgendwie euer Leben auch leben.

00:56:31: Wie ist es denn das gewesen, bevor du jetzt deine freien Tage hattest, wo du mal rauskommst?

00:56:35: Konntest du Zärtlichkeit mit deinem Mann austauschen?

00:56:37: Ja, wir haben sogenannte Langzebbesuche.

00:56:40: wo man einmal im Monat, sich für drei Stunden treffen kann, in einen unbeaufsichtigen Raum.

00:56:46: Und da kann man wirklich komplett private Gespräche führen, ohne die Anwesenheit der Bediensteterzärtlichkeiten aus Tausend Kustern und wie auch immer.

00:56:55: Und auch Kaffee trinken.

00:56:57: Ja, und auch Kaffee trinken.

00:56:59: Hilft das?

00:57:00: Fiebert man dann darauf hin auf diesen einen Tag?

00:57:02: Ja,

00:57:02: man zählt die Tage.

00:57:03: Es schreibt, es schreibt, wenn wir uns immer, also regelmäßig, mal fünfmal schlafen, mal viermal schlafen, man zählt wirklich die Tage unter.

00:57:11: Und sobald man neunten hat, rechnet man, okay, ach Scheiße, noch achtundzwanzig Tage.

00:57:16: Boah, jetzt schreibe ich noch nicht.

00:57:17: Jetzt schreibe, wenn wir bei drei Wochen sind.

00:57:19: Oh, ich hatte sie noch einundzwanzig Tage.

00:57:23: Also wie klein es geht bei Weihnachten, so sind wir.

00:57:26: Es hilft einem, wenn man kleine Ziele hat, um darauf hinzuarbeiten.

00:57:30: Weil gestern war noch Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt haben wir Januar, jetzt Die vier Wochen gehen so schnell und wir sind in dem Tag.

00:57:55: Dann wieder gehen die vier Wochen, wir sind an dem Tag.

00:57:58: Und das ist unser Zeitmesser.

00:57:59: Schön.

00:58:00: Wenn es zu intim ist, sag Bescheid.

00:58:02: Was ist dann wichtiger, das Gespräch und Kaffee trinken?

00:58:04: Oder habt ihr dann Sex eher?

00:58:06: Was ist sozusagen das, was euch am meisten was bringt?

00:58:09: Da ich aus dem Alter raus bin, wo ich drei Stunden lang kann, wir machen alles.

00:58:17: Dann hast du wahrscheinlich mehr Sex als manch eine Ehe, die in Freiheit lebt.

00:58:21: Das sage ich immer wieder.

00:58:23: Spass.

00:58:24: Ich hab gute Sexualien hier, ne?

00:58:26: Gib es, ich weiß nicht, ob du es beantworten darfst, ob wir da jetzt auf den Deckel bekommen.

00:58:32: Man kennt so diese Serien.

00:58:33: Bei den Männern ist es wahrscheinlich noch mal ein ganz anderes Ding, aber gibt es auch so was wie eine Hierarchie?

00:58:38: Gibt es auch Situationen, die für dich schon brenzlig waren, wo dir jemand hier an die Wäsche wollte oder dich einfach unter Druck gesetzt hat?

00:58:47: Ich selber noch nicht bei den Ahnen, weiß ich nicht.

00:58:49: Also ich hatte bis jetzt noch... Es kann natürlich dran liegen, dass ich schon sehr viel nähe zu den Bediensteten schon immer gesucht habe.

00:58:57: Vor allem zu Beginn, weil ich sehr großen Redebedarf hatte.

00:59:02: Ich habe jeden die Ohren hier voll gelabert.

00:59:03: Über meine Geschichte war, je öfter ich drüber gesprochen habe, desto einfacher ist es, um wenn man für mich gewesen.

00:59:09: Und die Bedienstete hat eine Chance, mich in einem schnellen Tempo kennenzulernen, falls... Es mir schlecht geht, dass ich sofort wusste, wie muss ich die Miri anpacken?

00:59:22: Wo muss ich sie abholen?

00:59:23: Wie muss ich mit ihr umgehen?

00:59:26: Und ich habe mir den Gefangen nicht allzu viel zu tun.

00:59:28: Ich bin nicht so der Rudelmensch.

00:59:29: Ja, interessant.

00:59:31: Ja, eher vermute ich, da wird es vielleicht... Aber wirklich brennt sich jetzt.

00:59:35: Situationen habe ich nicht wirklich erlebt.

00:59:37: Kleine Streitigkeiten, wir auch draußen auch mit der Nachbarschaft.

00:59:41: Aber bei mir war bis jetzt wirklich alles gut gewesen, noch nie, wie Übergrifflichkeit oder Aggression, nicht mal Streit erlebt.

00:59:49: Wir sitzen hier in eurem kleinen Gemeinschaftsraum, wie du es am Anfang ja auch beschrieben hast, und neben uns sitzt noch, oder hinter uns sitzt noch, unser Techniker und eine Justizvollzugsbeamtin, einmal als Unterstützung für dich, damit ich nicht irgendwie dich in eine Situation bringe, die ungut ist, aber natürlich auch, um sicher zu gehen, dass... wir hier nicht irgendwelche Sachen austauschen, die nicht in Ordnung sind.

01:00:13: Das ist noch eine lange Zeit, bis du herauskommst.

01:00:15: Ja.

01:00:16: Wie überstehst du das, deine Hoffnung nicht zu verlieren, dass da draußen noch was Schönes wartet?

01:00:21: Man braucht Ziele.

01:00:23: Ohne Ziele läuft gar nichts.

01:00:24: Also nicht in meinem Fall, also nicht, wenn man so viele Jahre vor sich hat.

01:00:28: Wenn man feste Ziele hat, wenn man, ich sage immer so schön, ich freue mich auf morgen.

01:00:33: Morgen ist jemand das Leben, das da draußen.

01:00:35: Und das ist unser gemeinsames Ziel.

01:00:37: Holt dich.

01:00:39: Um noch einmal auf diese Geschichte, auf den Grund einzugehen, warum du hier sitzt, holte ich das manchmal in den Träumen noch ein?

01:00:47: Mittlerweile sehr selten, dann die Psychologen.

01:00:50: Aber

01:00:50: es ist doch toll, dass es Menschen gibt, die dir dabei helfen.

01:00:53: Also jedem hier.

01:00:54: Also noch vor etwa fünf Jahren, tagtäglich, tagtäglich.

01:00:59: Hatte ich Angst verschleifen gehabt, für mich verschlafen, der... Das war für mich Tutur, sich schlafen zu legen, weil ich wusste Augen so und sofort bin ich drin.

01:01:07: Und das war wirklich tagtäglich.

01:01:08: Und dann hast du das wieder durch erlebt, was passiert?

01:01:11: Ja, immer wieder, immer wieder.

01:01:12: Also eigentlich ging es immer wieder ums Gleiche.

01:01:15: Und jetzt durch die viele Gespräche mit den Psychologen, genau wie hier mit den Bediensteten, die stehen mir auch immer zur Seite.

01:01:21: Und wenn ich Lust habe zu quatschen, dann lege ich meistens einfach los, um großartig zu fragen, haben sie Zeit, weil die sagen Ja, dann haben die Pech.

01:01:30: Dann fange ich immer mit einer Frage und höre halbe Stunde später auf und dann mir die Reviews langsam weitermachen.

01:01:37: Ja, und durch die viele Gespräche habe ich das gut verarbeiten können.

01:01:40: Also Albträume habe ich sehr selten und die haben jetzt ganz andere Strukturen.

01:01:44: Die haben jetzt komplett andere Strukturen.

01:01:46: Die haben Strukturen.

01:01:48: In dem Sinne, ich erlebe keinerlei Gewalt mir, Gefahr, ich spöbe, aber die Gewalt findet nicht statt.

01:01:54: Und das ist ja komplette Wendung, vergleichbar mit früher.

01:01:57: Das heißt, früher nach deiner Tat hast du auch von der Gewalt geträumt, die du erlebt hast.

01:02:03: Nicht nur von dieser

01:02:05: Tat.

01:02:06: Also mein Traum war echt ziemlich strange.

01:02:10: Meine Tat war seine Tat.

01:02:11: Was ich ihm angetan habe, hat er mir immer wieder im Träumen angetan.

01:02:15: Also in meinen Träumen war ich eigentlich das Opfer, das jetzt gleich getötet wird.

01:02:20: Nicht er, er war der, der Ausführer.

01:02:22: Also eigentlich im Kopf war alles im Spiegel verkehrt.

01:02:26: Komplett anders, obwohl Realität war, wie sie war.

01:02:29: Und das war, glaube ich, weil ich da die ganze Zeit immer noch in der Opferrolle steckte.

01:02:34: Weil ich habe die Vergangenheit niemals verarbeitet, weil mit Wänden wurden, wie denn.

01:02:40: Auch wenn ich gewohnt hätte, wo soll ich hin?

01:02:42: Zum Psychologen?

01:02:43: Nee, du hättest nämlich nicht gewachsen.

01:02:45: Also nicht einer von außerhalb.

01:02:48: Die Psychologe, die hier ist.

01:02:50: Die hat natürlich schon mich und noch viel schlimmerer Fälle gehört.

01:02:54: Sie ist mir sowas geübt.

01:02:56: Sie weiß, wie sie mir solche Menschen umgehen kann.

01:02:59: Ich bin nicht nur das Erwachsen, ich bin aber auch das Kind.

01:03:02: Ich bin nicht nur das Opfer, ich bin aber auch das Täter.

01:03:04: Und das ist zu große Spannbreite.

01:03:06: Deswegen diesbezüglich bin ich sehr dankbar.

01:03:08: Hast

01:03:09: du jemals nach deiner Tat das Bedürfnis gehabt, das mit jemandem zu besprechen?

01:03:14: Du wusstest, das konntest du ja nicht, weil sonst wärst du aufgeschlagen.

01:03:17: Unterbrochen, unterbrochen.

01:03:19: Aber es geht nicht.

01:03:20: Somit musste man damit selber klarkommen, also verdrängen, dann eine Schublade aufmachen, alles reinpacken, Schublade zu machen.

01:03:25: Hast du daran gedacht, tachst du irgendwann?

01:03:28: Oder ist das?

01:03:29: Ganz zur Zeit.

01:03:30: Deswegen, ich habe mich in die Arbeit gestürzt.

01:03:32: Also, mich ohne arbeiten, kennt keiner.

01:03:35: Also, ob es acht Stunden schichten, zwölf Stunden schichten, zu Hause weiter im Garten weiter, am Haus weiter.

01:03:41: Und dann noch Hobbiesnack gehen, dies und das.

01:03:44: Also, ich muss in Bewegung bleiben.

01:03:45: Und ich durfte zum Beispiel... Also ich habe es nicht geschafft, im fremden Bett zu schlafen.

01:03:50: Es ging gar nicht.

01:03:51: Ich musste meinen Vertrau auf das Bett haben.

01:03:53: Also eine Übernachtung im Hotel zum Beispiel, oder?

01:03:56: Nein, ging gar nicht.

01:03:57: Dann bin ich laufen gegangen.

01:03:59: Ich habe da keine Ruhe gefunden.

01:04:02: Denn war alles viel zu realistisch.

01:04:04: Da konnte ich teilweise nicht mehr unterscheiden zwischen Traum und Realität.

01:04:07: Das war für mich alles gleich.

01:04:10: Da hatte ich auch keine Kontrolle mehr über meine Träume, nichts mehr.

01:04:13: Das war alles.

01:04:14: außer Gefecht, weil es keine vertraute Umgebung war.

01:04:17: Wahnsinn.

01:04:18: Du hast mir ja schon am Anfang gesagt, dass du dich jetzt nicht mehr so sehr mit der Schuld befasst, weil du das Gefühl hast, du bist hier zurecht und du darfst jetzt nach vorne gucken.

01:04:28: Ist das so?

01:04:28: Ja, es ist befreiend.

01:04:30: Es ist befreiend, sich meins anzustehen.

01:04:32: Also hat dich im Prinzip womöglich auch diese Verurteilung und deine Strafe davor gerettet, immer in der Schuld zu bleiben?

01:04:40: Es hat mich eigentlich davor gerettet, nicht und wenn man selbst solliziert zu begehen, mit sehr großer Wahrscheinlichkeit.

01:04:47: Weil mit dem ganzen Scheiß, was man in der Bühne hat, zu leben, das fand ich einfach.

01:04:53: Auch wenn man die tollste Partnerschaft an der Seite hat, den tollsten Mann, den ich auch habe, es einfach nicht in Details mitteilen zu können.

01:05:01: Egal aus welchen Gründen, ob Schutzgründen oder einfach mal, man schämen sich auch.

01:05:08: Man sucht in sich zu viel Schuld.

01:05:10: Und das wäre, das war wahrscheinlich mich tatsächlich dazu gebracht hätte, dass ich und Wama keine Ahnung und eine Brötchen gemacht hätte.

01:05:17: Seitdem

01:05:18: er weiß, dein Mann, dass du eine Mörderin bist, konntet ihr nie wieder zusammen zu Hause auf der Couch sitzen und quatschen und erstmal wirklich intim austauschen.

01:05:31: Nein, nein.

01:05:31: Gibt

01:05:32: es aus seiner Sicht, also ich weiß nicht, ob ihr da mal darüber gesprochen habt oder so, ist die Miri... Seitdem eine offene Remiri, weil er ihre Geschichte

01:05:40: kennt?

01:05:41: Er versteht mich jetzt besser.

01:05:42: Er versteht jetzt meine Macken besser.

01:05:44: Angst von Dunkelheit weiß er jetzt wieso.

01:05:47: Angst voll ausstecken weiß er wieso.

01:05:49: Wieso ich nicht streitfähig bin, sobald man Stimme anhebt.

01:05:52: Dann sitze ich hinter in der Ecke und fange an zu heulen, kriege ich kein Wort mehr raus.

01:05:58: Jetzt weiß er ja wieso.

01:06:00: Vor schnelle Bewegung weiß er jetzt wieso.

01:06:03: Wieso ich betrunkene Menschen ab.

01:06:05: Göttlich hasse.

01:06:06: Er weiß wieso, weil die sind in dem Moment unberechenbar.

01:06:10: Jetzt versteht er die.

01:06:11: Weil er weiß wieso, weil ich sich hintergründe und dass es auch Grund dafür gibt.

01:06:15: War er wütend auf dich?

01:06:16: War er sauer auf dich?

01:06:17: Hat er dich gefragt, warum du es ihm nicht erzählt hast?

01:06:19: Haben wir ihn nie drüber geredet.

01:06:21: Das hat jeder für sich, glaube ich, selbst ausgemacht.

01:06:23: Er kennt mich und er weiß, dass ich vor schlechtem Gewissen zerfressen bin.

01:06:28: Das weiß er ja.

01:06:29: Bis heute nach wie vor.

01:06:31: Wir hatten schon die Diskussion geführt, dass ich es nicht erlaube.

01:06:35: dass ich fünfzehn Jahre seines Lebens raube, nur weil er auf mich wartet.

01:06:39: Das wollte ich nicht.

01:06:41: Aber er hat also bedienstet haben zu mir auch gesagt, genau wie auch er.

01:06:45: So ist ich bin alt genug.

01:06:47: Ich weiß das halber.

01:06:48: Und wenn ich sage, es ist das wert, dann ist das wert.

01:06:50: Denn will ich dazu.

01:06:52: Wir haben uns jetzt von Seitenkerne gelernt, noch zusätzlich, die wir vorher nicht kannten.

01:06:57: Und was wir können, haben wir noch mehr verstärkt.

01:06:59: Wir schreiben uns auch jeden Tag.

01:07:01: Ich bin jetzt zweitausend.

01:07:06: Und genau so viele Briefe habe ich an ihm geschrieben, genau so viele Briefe hatte ich schon an mich geschrieben.

01:07:11: Auf Papier.

01:07:12: Auf

01:07:12: Papier.

01:07:12: Wir schreiben uns jeden Tag ein Brief, ob er den Tag ist abgelaufen.

01:07:15: Also so, dass er nimmt Teil an meinem Leben und ich nehme Teil noch an seinem Leben.

01:07:20: Egal was passiert, wir schreiben alles.

01:07:22: No, da ist immer noch am Ende.

01:07:24: Ich liebe dich und halle Süße, halle Schatz und so weiter.

01:07:27: Ja, nach wie vor.

01:07:28: Malst du dir manchmal den Tag aus, wenn du deine... Tasche zurückbekommst, deine Klamotten zurückbekommst, deine persönlichen Gegenstände in die Hand gedrückt bekommst und diese JVA verlassen wirst?

01:07:41: Nee.

01:07:42: Weil ich glaube der Gedanke ist zu schmerzhaft.

01:07:45: Weil es noch zu weit weg ist.

01:07:47: Ich sag's mir, sieben Jahre für einige Masken normal durchzustehen.

01:07:52: Chapeau.

01:07:53: Für mich selbst.

01:07:55: Aber wenn ich bedenke, das Gleiche ist nochmal vor mir plus ein bisschen mehr.

01:08:00: Die Vorstellung alleine wird einem in die Knie bringen, zwingen und müde machen.

01:08:05: Deswegen lasse ich den Gedanken direkt sein.

01:08:07: Wenn es so weit ist, ich komme heim, hören Sie auf.

01:08:12: Aber ich befasse mich nicht, wie es wird, wie es wird, weil das wird einem richtig kaputt machen.

01:08:19: Es reicht, wenn ich zum Beispiel eine Ausführung habe, ich komme heim und ich gehe von heim weg und ich ... Sehe mein Mann, da winken, am Parkplatz oder an der Bahn stehen und das zerreißt einem innerlich.

01:08:33: Also ich weiß wie es ist, wenn man nach Hause kommt.

01:08:36: Ich brauche die Vorstellung nicht.

01:08:38: Und mehr so detailliert das in den Kopf rein zu prägen ist noch viel zu früh, viel zu früh.

01:08:42: Zum Schluss, wenn ich weiß, es ist greifbar, greifbar ist aktuell nichts.

01:08:47: Ich bin angewiesen und fremde Hilfe auf fremde Gutachten, lebenslang ist ja lebenslang.

01:08:53: Es gibt kein Ende.

01:08:54: Es entscheiden wir Gutachter.

01:08:56: die einen begutachten, den Justizministerium, JVA, wenn das alles miteinander passt, dann sind die Tür auf.

01:09:04: Also ist noch ein bisschen Arbeit.

01:09:07: Ich

01:09:07: wünsche es dir sehr.

01:09:08: Ich wünsche es dir sehr.

01:09:09: Das ist ein Mensch, der viel, glaube ich, viel reflektiert hat und viel gelernt hat und bereut

01:09:18: und

01:09:19: heutzutage zu sagen hat und zu geben hat.

01:09:21: Das spüre ich sogar.

01:09:22: Ich nehme ganz viel mit aus unserem Gespräch.

01:09:25: Ich bin sehr beeindruckt und sehr bewegt.

01:09:27: Ich bin beeindruckt, wo meine Wortfall ist.

01:09:31: Ich steffe

01:09:32: die Bieterzüsche so.

01:09:33: Wo hast du so gut Deutsch gelernt?

01:09:35: Hier hatte ich die Chance tatsächlich bekommen, Hauptschule, Raulschule und Abitur nachzuholen.

01:09:40: Hier

01:09:40: in der JV an.

01:09:40: Genau.

01:09:40: Im Knast.

01:09:42: Ja, und das innerhalb von anderthalb Jahren.

01:09:44: Abil, eins, zwei.

01:09:45: Raulschule, eins, zwei.

01:09:47: Hauptschule, eins, zwei.

01:09:49: Und jetzt mache ich eben Anschluss, weil ich... Man muss sich wieder erinnern, wie man lernt.

01:09:54: Deswegen habe ich wieder direkt die Frisur Ausbildung dazu genommen, weil ich habe mir gedacht, wenn du schon einmal dabei bist, nimm alles, was möglich ist.

01:10:05: Also die Diode V.A.

01:10:06: hat mir richtig, richtig viel ermöglicht.

01:10:09: Das, was ich draußen in normalen Leben nie geschafft hätte.

01:10:12: Also jetzt kann ich zeigen, schwarz und weiß, ich bin nicht du.

01:10:16: Ich habe was gelernt.

01:10:17: Ich habe alle Schulabschlüsse, die man in normalen Leben nachholen kann und top eine anständige Ausbildung.

01:10:24: Ich entnehme aus unserem Gespräch, dass so hart wie das für dich ist

01:10:28: und

01:10:29: sicherlich gibt es auch viel Schwieriges und nicht gut laufendes in unserem Justizsystem.

01:10:35: Aber bei uns ist es so, wenn du verurteilt wirst, dann bekommt man eine Strafe für eine Tat, wie auch so immer man getan hat.

01:10:42: Und wenn man rauskommt, hat man das Recht auf ein Leben danach.

01:10:45: Und dann kannst du ohne Schuld in dein Leben gehen, ob man noch selber Schuld empfindet oder ob man vorher schon gar nicht die Schuld empfundet.

01:10:52: Das ist bei jedem selber, aber so funktioniert es bei uns.

01:10:55: Gebranntmarkt für dein Leben und hast Einschränkungen, damit du hier rauskommst und bist ein freier Mensch.

01:11:00: Und das ist ja was Gutes.

01:11:01: Von allem, was ich jetzt von dir mitnehme, ist das was Gutes.

01:11:04: Und die Zeit, die du hier bist, passieren auch sehr viele gute Dinge, die du dann mit in deinem Leben danach

01:11:09: mitnehmen

01:11:10: kannst.

01:11:10: Und die ich draußen wahrscheinlich nie getan hätte.

01:11:12: Wie zum Beispiel schulische Ausbildung, psychologische Therapie und dass man die Chancen bekommt, wenn man es will.

01:11:19: hier sich ein Leben aufzubauen, richtiges vorzubereiten, dass man dann draußen rausgeht und sagt, ich bin nicht dumm, ich bin keine Gefangene, ich bin gelernte Frau, ich habe hier Schule gemacht, ich habe hier Ausbildung gemacht, hier sind meine Papiere, alles steht, steht Nitzeln, aber die JVA, ich kann anfangen hier zu arbeiten, das heißt, die erleichtern mir schon erstarrt, plus die Erleichterung für meinen Kopf.

01:11:42: Sehr gut.

01:11:42: Auch wenn du den Tag, den ich ausmalst, was, glaube ich, von allem, was du mir beschreibst, eine schlaue Sache ist.

01:11:48: Aber wovon träumst du für dein Leben danach?

01:11:51: Ganz ehrlich, nach Frankreich zu fahren, sich am See hinsetzen, kein Handy, kein Radio, zwei Wochen lang nur angeln.

01:11:58: Sitzen da im Zelt mit meinem Mann zusammen, wir sitzen da im Herbst, ich mach Herbst, mit das der Kaffee oder was andem leckern und in alle Ruhe angeln.

01:12:10: Das Einzige, was vorhanden ist, ist, wir sind wild in Natur.

01:12:13: Und zweites wird zu Hause mit den Katzen im Bett und meinem Mann.

01:12:18: Und einfach mal gammeligen, faulen Sonntag zu machen, weil sonntag haben wir beide nie gearbeitet.

01:12:24: Und das war immer unser Gammeltag.

01:12:26: Wir haben nicht geputzt, wir haben nicht gekocht.

01:12:28: Katzen ins Bett, fernseh an und Pizza bestellt.

01:12:32: Also das sind die zwei Sachen, die Action brauche ich nicht.

01:12:36: Ruhig, ruhig, ruhig brauche ich.

01:12:39: Ich danke dir sehr für deine Offenheit und dass ich mit dir sprechen durfte.

01:12:44: Sehr gerne.

01:12:45: Hat mich auch sehr gefreut und auch wenn ich am Sitten bin, ich habe ein gutes Gefühl.

01:12:49: Schön.

01:12:49: Dann freut es mich sehr.

01:12:52: Ich muss auch ein bisschen meine Tränchen trocknen, aber ich bin wirklich ganz, ganz dankbar, dass ich die Chance hatte, hier mal reinblicken zu dürfen und vielleicht ein bisschen zu verstehen, was im Leben passieren kann, dass man sowas krasses macht.

01:13:06: und dass man dann akzeptieren muss, dass es zur eigenen Geschichte gehört.

01:13:09: Man muss das Ganze immer betrachten, nicht nur ein kleines Aspekt.

01:13:12: Und hier sieht man das wirklich auf brutalste Art und Weise.

01:13:16: Es gibt hier kaum Frauen, die nicht eine extreme Vorgeschichte hinter sich haben.

01:13:21: Also da ist teilweise meiner schon kleinig.

01:13:25: Man kann sich ehrlich das nicht vorstellen, was hier teilweise die Frauen mitmachen mussten.

01:13:30: Angewalt.

01:13:31: Ja.

01:13:32: Ich freue mich sehr, dass wir uns kennengelernt haben.

01:13:34: Darf ich dir immer die Hand geben?

01:13:36: Also meine

01:13:37: Hand.

01:13:37: Weiter auch.

01:13:38: Ich danke dir sehr, Miri.

01:13:39: Sehr

01:13:39: gerne.

01:13:40: Ich habe mich sehr gefreut.

01:13:41: Man hat wirklich sehr, sehr intensives, spannende Erfahrung.

01:13:46: Das wird noch lange nicht zum Nachdenken bringen.

01:13:51: Boah, jetzt bin ich wirklich gespannt, wie ihr darüber denkt.

01:13:54: Was sind eure Gedanken?

01:13:55: Schreibt es doch mal unbedingt in die Kommentare von dieser Podcastfolge.

01:13:58: Würde mich sehr, sehr doll interessieren, was eure Gedanken dazu sind, weil im Vorfeld zu diesem Gespräch, bevor wir überhaupt aufgezeichnet haben, hat es auch in meinem Freundeskreis ganz schön viele Kontroversen gegeben.

01:14:11: Aber mir hat das sehr viel bedeutet dieses Gespräch.

01:14:16: Und das hatten wir, habe ich anfangs erzählt, im Gemeinschaftsraum aufgezeichnet.

01:14:20: Und danach wollte Miri noch eine Zigarette rauchen gerne.

01:14:22: Und wir sind ein kleines Podcast-Team von mir.

01:14:25: Und die beiden Vollzugsbeamten sind dann eben in diesen Nebenraum gegangen und haben dann auch so ein bisschen gequatscht.

01:14:30: Und da ging es mir dann tatsächlich so, dass ich eine Frage dachte, ach, die hast du nicht gestellt.

01:14:35: Manchmal habe ich das nach einer Podcastaufzeichnung und dann, ja, kann man es nicht ändern, das ist so.

01:14:40: Und ich habe ihr die dann dort gestellt.

01:14:43: Und zwar habe ich zu ihr gesagt, Also wir haben ja

01:14:46: dieses Rechtssystem

01:14:48: und auch Gefängnisse unter anderem auch der Strafe wegen, aber eben auch, weil wir als Gesellschaft uns schützen wollen vor einem Täter, der etwas getan hat und die Allgemeinheit vor einer Gefahr zu beschützen.

01:14:59: Das ist der Grund für New York V.A Deswegen habe ich sie gefragt, ob es irgendein Szenario geben könnte, dass sie sich vorstellt, noch mal sowas zu tun.

01:15:07: Und sie sagte, dass es unvorstellbar ist.

01:15:10: Und vor allem, weil sie weiß heutzutage, dass sie sich Hilfe holen kann.

01:15:14: Sie sagte damals, ich konnte kein Deutsch, ich habe in meinem ganzen Leben nie das Gefühl gehabt, dass mir irgendjemand aus einer schrecklichen Situation hilft.

01:15:24: In ihrem Leben hat es halt nie etwas gegeben, was ihr Zutrauen gegeben hat, dass da jemand ist, der in der Not helfen würde.

01:15:31: Und von Frauenhäusern zum Beispiel, hatte sie damals noch nie

01:15:34: gehört.

01:15:35: Und darüber habe ich doch auch noch mal ziemlich viel nachgedacht, weil in Deutschland gibt es auch bei uns zu wenig Frauenhäuser.

01:15:42: Das heißt, die Realität ist, dass Frauen, die schrecklich ist in ihrem eigenen Zuhause erleben, mit Kindern und ohne, manchmal abgewiesen werden und wieder zurück müssen in ihr Zuhause.

01:15:53: Das ist eine Sache, die wir wirklich, wirklich besser machen müssen in unserer Gesellschaft.

01:15:57: So, ich danke euch fürs Zuhören und schön, dass ihr bis zum Ende dabei seid.

01:16:01: Kommentiert, bewertet den Podcast super gerne und sagt mir eure Meinung.

01:16:06: Bis in zwei Wochen.